8 nneicher Got⸗, f es möglichl rief er aus, und heiße Thrä⸗ nen ſturzten ihm über das Antlitz. Er hielt daſſelbe Arm band in den Händen, welches die Geliebte am Fuße der St. Bernhard verloren hatte; daſſelbe theure Kleinod, dem er es zuerſt verdankte ihr in das holdſelige Antlitz zu blicken. Außer ſich wollte er eben zu Raſinski hinüberſtürzen, als er ein in den Falten des Schleiers feſtgeſtecktes Blatt bemerkte. Mit zitternder Haſt zog er die goldne Nadel, die es befeſtigte, heraus und entfaltete es. Unter gewaltſam hervordringenden Thränen las er die Worte:„Sie waren einſt mein Retter aus dringender Gefahr! Sie beſchirmten mich mit brüderlicher Treue. Wer vermag die wunderbaren Fügungen der Vor⸗ ſehung zu bezeichnen, die uns damals zuſammenführten und trennten, und jetzt wieder nahe bringen und für ewig ſchei⸗ den!— Doch die Minuten drängen. Verlaſſen Sie dieſes Haus, ſchnell, augenblicklich! Es droht Ihnen die äußerſte Gefahr! Der Schlund des Verderbens gähnt unter Ihren Füßen auf; der Boden, auf den Sie treten, iſt nur die leichte Decke eines furchtbaren Abgrundes. Ein Augenblick zu ſpät, und ſie bricht ein!— Moehr darf ich nicht enthüͤllen.— Ach, ſchon das gilt für ein ſchweres Verbrechen! Doch ein höheres Geſetz der Dankbarkeit gebot mir, es zu begehen. Die Zu⸗ kunft iſt düſter verhüllt, die Wogen meines Lebens in Sturm gehoben. Welches auch mein Schickſal ſei, mit ſchweſter⸗ licher Treue wird mein Herz das Andenken des edeln Freun⸗ des bewahren! Pe
„Bianca.“
Ludwig ſtand, ſeiner Sinne kaum noch mächtig, und heftete das Auge auf das Blatt, als Raſinski eintrat.„Wo bleibſt Du?“ fragte er.„Wir haben eine Thür entdeckt, eben laſſe ich eine Axt holen, ſie zu öffnen, denn wir müſſen


