ſein Herz; er empfand im Traum die Freude des Wieder⸗ ſehens, welche die Wirklichkeit ihm grauſam geraubt hatte. Er ſah ſich auf dem Spaziergange in Pillnitz; ſeine freund⸗ lichen Jugendgeſpielinnen begleiteten ihn. Plötzlich ſchreckte er freudig zuſammen, denn Marie kam ihm aus einem Laub⸗ gang entgegen und ging Arm in Arm mit Bianca, vertraut an ihre Seite gelehnt, als wenn Beide Schweſtern wären. „So, ſo liebt Euch, Ihr Geliebteſten, die ich auf der Erde habe,“ ſprach er im Traume, und ein Lächeln ſchwebte um ſeine Lippen. Er wollte ihnen näher treten, ihnen die Hand reichen; doch ein Fremder hielt ihn zurück. Es war Naſinski, der ihn aufforderte, raſch zu Pferde zu ſteigen. Die lieben Geſtalten verſchwanden, er ſah ſich wieder mitten in dem unruhigen Verkehr des Feldzuges; lange, unendliche Reihen von Kriegern zogen an ihm vorüber; er ſchloß ſich den Scharen an, aber doch quollen unaufhörlich neue Geſtalten neben ihm hervor und ſchwebten an ihm hin. Verweilen und Vorwärtsdringen geſchah zugleich, wie ſo oft das Dop⸗ pelte und Widerſprechende im Traume. Jetzt glaubte er in Moskau einzuziehen; er ritt mit Bernhard und Raſinski durch die Straßen, die ſich in unabſehbarer Ferne vor ihm hin⸗ zogen. Die Häuſer und Paläſte ringsumher verwirrten ſich vor ſeinen Blicken; er ſah ſtets den vor ſich, den er bewohnte, doch drängten ſich immer neue Gaſſen dazwiſchen, ehe er ihn erreichen konnte. Mit jedem Schritt ſchien der Weg ſich zu verlängern. Endlich hielt er mit Raſinski und Bernhard
ſah ſi 5 Ludwig im Getümmel der Schlacht, rings von Feinden bedrängt, zu Boden ſtürzend. Dann ſchwebtre eine freundliche Geſtalt aus der Heimat heran, ſeine Mut: ter trat vor ihn, und bat ihn, ihr zu folgen. Sie führte
ihn in ihr trauliches Wohnzimmer und fragte: Wo biſt
Du nur ſo lange geweſen? Eine milde Rührung drang in
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