keit, Unſchuld, Wahrheit!“ rief Ludwig aus, als Ja⸗ romir geendet hatte. Dieſer warf ſich ihm ungeſtüm an das
Herz und drückte ſein glühendes Antlitz gegen die Freundes⸗
bruſt. Ludwig ahnete nicht, was in ihm ſo furchtbar tobe. Er wähnte, es ſei das Übermaß der Sehnſucht nach der
fernen Geliebten.„Faſſe Dich, Beſter,“ ſprach er mild. „Der Tag des Wiederſehens wird kommen; er iſt vielleicht
nicht mehr fern!“
Jaromir blieb in feiner Stellung, ohne ein Wort zu er⸗ widern. Furchtbare Gedanken wogten in ſeiner Bruſt auf und nieder. Unglückſelig biſt Du, rief es ihm ſchauerlich zu, wenn dies nicht die Sprache der Wahrheit iſt! Dop⸗ pelt elend, wenn ſie es iſt!
Da er einſam ſchwieg und den Freund nur heftiger und heftiger umklammerte, fragte Ludwig endlich, um ſeine Ge⸗ danken abzuwenden, abermals nach Bernhard.
„Ich habe ihn nicht geſehen,“ antwortete Jaromir, ſich aufrichtend und das Haupt ſchüttelnd;„ich habe Niemand, ich habe nichts geſehen! Ludwig! Ich muß Dich verlaſſen! Ich muß allein ſein! Ich bitte Dich, laß mich allein!“ So rief er heftig und ſprang auf.
Ludwig ſah ihm bewegt nach, wie er mit ſchnellen Schrit⸗ ten die Straße hinabeilte und in der Dunkelheit verſchwand.
Sollen denn alle meine Freunde heut in ſo aufgeregter Stimmung ſein, dachte er bei ſich ſelbſt, daß ſie mir die Sorge einflößen, ſie werden über ihre innern Kämpfe und Bewegungen die äußere Welt und ihre Gefahren vergeſſen? Und habe ich nicht vielleicht die ſtärkſten Urſachen zu einer gleichen Stimmung? Wie kommt es denn, daß mein Herz ſo viel ruhiger ſchlägt? Ach— weil ich mich ſchon unter das eiſerne Joch des Geſchicks gebeugt habe, weil meine Le⸗ benshoffnungen nicht mehr ſo friſch blühen, die warme, wal⸗


