3 erhalten? Raſinski hat uns noch nicht das Mindeſte geſagt, obgleich er Briefe von ſeiner Schweſter hat!“
„Von ſeiner Schweſter! Was wird die ihm auch
ſchreiben! Ach Ludwig! Ich wünſchte, ich läge an der Re⸗ doute, wo unſere Kameraden ruhen!“.
„Mein Gott,“ rief Ludwig erſchreckt,„was fehlt Dir denn? Was ſchreibt Dir Lodoiska? Erzühle mir wenigſtens, wenn Du nicht leſen kannſt!“
„Nein, ich will leſen, und ollten mir die Augen dar⸗ über brechen!“ So rief er heftig, zog einen Brief aus der Bruſt hervor, entfaltete ihn und zog Ludwig gegen das große Wachtfeuer hin, wo ſich Beide auf das Strohlager niederwarfen. Jaromir las:
„Mein einzig geliebter Freund!“
„Endlich kehren wir in die Vaterſtadt zurück! Noch we⸗ nige Minuten, und wir ſind auf dem Wege nach Warſchau; dann bin ich Dir, der Du ſtets ferner und ferner hinweg⸗ zieheſt, auch wieder um einige Tage näher! O mein Ge⸗ liebteſter, wann wird dieſer ſchreckenvolle Krieg enden? Wann kehrſt Du aus den entlegenen Oden, wohin Euch ſeine Stürme warfen, zu mir zurück? Wie liebevoll ſollen dieſe Arme Dich empfangen! Ach, Jaromir, ich habe oft trübe, bange Stunden, wo ich wähne, daß ein düſteres Schickſal zwiſchen unſer Glück tritt. Inbrünſtiges Gebet zur heiligen
Jungfrau iſt dann mein einziger Troſt. Alles, was die Gü⸗ tigen, die mich umgeben, zu meiner Erheiterung thun, glei⸗ tet ab von meiner Bruſt; aber das Gebet dringt tief in das
innerſte Herz. Sei auch Du fromm ,mein Theurer; vergiß
nicht im wilden Getümmel des Kampfes, in dem rohen Treiben des Krieges die heilige Stimme in der Bruſt, die uns demüthig zu den Füßen des Allmächtigen, des Allgna⸗ denreichen treibt. Denn wer ſoll Dich beſchirmen in dem
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