ſcheue Diener oder alte kranke Leute, die nicht mehr zu fliehen vermochten und ſich hier verſteckt halten, weil ſie uns fürchten. Roſtoptſchin ſchildert uns ja in allen ſeinen Proclamationen als Mörder und Tempelräuber; wie ſoll man es dem armen Volke übel deuten, wenn es ſich vor ſolchen Ungeheuern fürchtet und verkriecht! Laſſen wir die Leute we⸗
nigſtens für dieſe Nacht in Ruhe. Morgen will ich das ganze
Schloß durchſuchen laſſen. Die Wache im Thore, meine Bedienten, die auf dem Vorſaal ſchlafen, und am Ende wir ſelbſt, ſind uns Sicherheit genug. Auch ſteht es ja bei uns, uns ſchlagfertig zu halten. Ich meinestheils wenigſtens hätte ſo ſchon wie im Bivouac geſchlafen, in meinen Man⸗ tel gewickelt, völlig angekleidet, die Piſtolen zur Seite. Das iſt aber auch der äußerſte Grad von Vorſicht, und ich würde ihn auch nicht Deiner Nachricht wegen anwenden, ſondern weil ich überhaupt darauf gefaßt bin, daß wir dieſe Nacht allarmirt werden. Alſo das laßt Euch nicht beunruhigen; im übrigen aber wißt, daß wir nur im Bivouac liegen. Gute Nacht, lieber Freund! Ich denke, der morgende Tag wird ſehr entſcheidend ausfallen.“.
Ludwig ging.
Als er durch den langen Saal ſchritt, der ſein Schlaf⸗ zimmer von Naſinski's Wohnung trennte, wurde es ihm faſt ſchauerlich zu Muthe in dem weiten, einſamen Gemach, wo die leiſeſte Bewegung flüſternd an den Wänden wiederhallte. Die Thüre von ſeinem Zimmer zu dem, welches Bernhard bewohnte, ſtand offen; er blickte hinein. Bernhard war nicht dort.
„Ich glaubte gleich, daß er nicht ſchlafen gehen würde,“ dachte Ludwig für ſich.„Gewiß trägt er ſein volles Herz in Nacht und Einſamkeit hinaus! Wenn er ſich nur nicht unvorſichtig mitten in die fremde Stadt wagt!“
Bewegt trat Ludwig ans Fenſter, wo er unten die Ka⸗
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