hat Recht, wenn er behauptet, dieſe Eindrücke verliere ſich am Ende ganz. Wir haben ja ſo eben geſehen, wie ihn ſelbſt die überraſchung plötzlich, gewaltſam mit ſich fortriß;
die Wogen ſeiner Seele ſtürzten ſich brauſend übereinander
wie ein Waſſerfall; jetzt ſehen wir den Strom höchſtens noch mit bewegt wallender Fluth zwiſchen ſeinen Ufern dahinziehen.“
„Er iſt vielleicht deſto tiefer!“ bemerkte Ludwig.
„Möglich! doch am Ende verläuft ſelbſt der Rhein im Sande. Werden Schmerz, Erwartung, Hoffnung nicht aus neuen Quellen genährt, ſo glaube mir, als Deinem ältern Freunde, ſie verſiegen zuletzt alle, und wenn ſie An⸗ fangs in noch ſo wilder Fluth alle Uferdämme durchbrechen.“
Ludwig las Mariens Brief noch einmal durch und ver⸗ lor ſich in ein vertieftes Sinnen über dieſe neuen unvermu⸗ theten Wendungen, die der Strom ſeines Lebens nahm.
Raſinski, von ſchweren Gedanken erfüllt, ging auf und nieder im Gemach.
Es ſchlug jetzt neun Uhr.
„Bernhard hat Recht,“ nahm Raſinski das Wort,„die ermüdete Natur läßt ſich nicht abweiſen. Wir müſſen uns zur Ruhe legen. Wer weiß, was die nächtlichen Stunden uns für eine Störung bringen; denn mir iſt, aufrichtig ge⸗ ſtanden, noch immer nicht ganz wohl zu Muthe in dieſer verlaſſenen Stadt. Es ſieht mir faſt aus, wie die abgeſegelte Flotte der Griechen vor Troja, die in der Nacht zurückkehrte.“
Dieſe Worte erinnerten Ludwig erſt wieder an die Beob⸗ achtungen, welche Bernhard gemacht hatte, und die Beiden über die unerwarteten Nachrichten der Briefe aus Deutſch⸗ land ganz aus dem Sinne gekommen waren. Er erzählte Naſinski, was Bernhard geſehen haben wollte.
„Hm! In ſolcher Art kann uns unmöglich etwas Feind⸗ ſeliges drohen!“ erwiderte dieſer.„Wahrſcheinlich ſind es
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