Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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Schleier. Die verhüllten Geſtalten kann ich mir ſo reizend und holdſelig träumen, als ich will; wer weiß, was die ent⸗ hüllten mir für widerwärtige Geſichter zeigten! Jung und lieblich war das Weſen, was mir begegnete, das weiß ich gewiß; ſo will ich es denn als eine Schweſter oder Halb⸗ ſchweſter betrachten, denn ſie könnte ja eine ſpätere Tochter und Erbin meiner Mutter ſein. Unſere ganze Begegnung war die von Bruder und Schweſter; ſind wir es nicht, nun ſo will ich wenigſtens den Traum feſthalten, und keine platte Wirklichkeit ſoll mich unangenehm ſtörend daraus wecken. Ich habe den Hahnenſchrei niemals leiden können; vollends aber wenn er gellend in die Sphärenmuſik eines Traumes einkreiſcht und uns aus den ätheriſchen Räumen, in denen wir zu ſchweben wähnten, auf eine derbe Matratze hinabwirft, wo wir faul und gähnend die müden Glieder ſtrecken. Aber wahrlich, Freunde, es iſt Zeit dazu; ich muß mich ſchlafen legen. Gute Nacht!“

Er ſtand auf und ging hinaus. Ludwig folgte ihm; er mußte ihn einſam, warm ans Herz drücken. Da fühlte er, daß Bernhards Wange naß war; doch kein Wort der Klage kam über ſeine Lippen, ſondern er riß ſich trotzig los

und ſprach nur:„Gute Nacht!“

Ludwig kehrte zu Raſinski zurück. Erſt jetzt traten ſeine eigenen überraſchend umgeſtalteten Lebensverhältniſſe ſtärker in ſeiner Empfindung hervor.„Es iſt eigen,“ ſprach er zu dem ältern Freunde,„ich gewinne nichts, ich verliere nichts bei dem Umtauſch des Namens, bei der Nachricht von mei⸗ nem Vater, den ich ſchon ſeit zwanzig Jahren unter die Todten zu zählen gewohnt bin; und doch iſt mir, als hätte ich großen Gewinn und Verluſt zugleich erlitten.“

„Die Möglichkeit Beider tritt uns im erſten Augenblick zu nahe,“ erwiderte Raſinski;„doch glaube ich, Bernhard