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Viertes Capitel.
Als Bernhard ruhiger geworden war, und Raſinski und Ludwig mit Wärme in ihn drangen, erzählte er ihnen end⸗ lich, faſt mit dem alten rauhen Humor, ſein Abenteuer zu Warſchau, ſeine ſeltſame Scheinverwechſelung des Ringes. „So wäre ich denn mit einem neuen Titel beſchenkt,“ ſchloß er gezwungen ſcherzend;„ich könnte mich Bruder einer Un⸗ bekannten nennen, denn ſie war jung und ſchön, das betheure ich trotz dem Schleier, der ſie einhüllte; ſonſt hätte es frei⸗ lich auch meine Mutter ſein können. Das Abenteuer wäre aber nicht halb ſo romantiſch.“ Noch niemals hatte Ludwig einen ſo tiefen Blick in das Herz des Freundes gethan als jetzt. Bernhard, der mit ſelbſtgenügender Kraft ſich von allen Feſſeln des Lebens und der Verhältniſſe loszureißen wußte, deſſen ſtolzes, kühnes Herz, ſeine Freiheit höher zu ſchätzen ſchien, als ſelbſt die ſüßeſten Bande der Liebe; er, der oft ſo rauh gegen die zarteren Beziehungen des Daſeins auftrat, und ihnen mit einer Kraft, die Ludwig anſtaunen mußte, ſtolz zurief: Geht, Ihr habt mich nicht aufgeſucht, geht, denn ich bedarf Eurer nicht; die Gewohnheit, allein zu ſtehen, hat mir die Kraft dazu gegeben. Ich bin mir ſelbſt genug! Dieſe ſchroffe, gehärtete Felſenbruſt brach und ſchmolz weich, ja vernichtet zuſammen, nur bei der Vorſtellung, daß ein holdes Weſen, mit den ſanften Banden der Verſchwiſterung an ihn gefeſſelt, dicht bei ihm vorübergeſtreift ſei, ohne daß er es erkannt und an die unter der rauhen Hülle ſo warm glühende Bruſt gezogen hätte. Mit welcher Rührung betrach⸗ tete Ludwig in dieſem Augenblicke den Freund, der das weichſte,


