Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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Dich, entfliehe! Noch iſt es Zeit! Hier durch dieſe Thür in den Garten hinab!“

Selbſt gab ſie ihm den Säbel, den er abgelegt hatte, in die Hand, und drängte ihn mit beklommenem Schmei⸗ cheln, zu gehen.

„Schüchternes Reh!“ ſprach er wehmüthig lächelnd. „Wie hold iſt dieſe Scheu! Sei ruhig, Du darfſt das Auge aufſchlagen gegen Viele, die ſich fleckenlos bedünken! Denn rein iſt Deine Seele; Dein Herz bleibt ein jungfräuliches Heiligthum!“

„O, ſo ſchone meines Herzens!“ flehte ſie.„Wenn Du mich liebſt, ſo geh! Es ſei der erſte Beweis, den Du mir gibſt!“

Er umſchloß ſie noch einmal, küßte ſie mit wehmüthiger Zärtlichkeit und verließ dann haſtig leiſe das Gemach durch die Tapetenthür.

„Leb wohl! Morgen! Morgen!“ flüſterte Aliſette ihm zärtlich nach und verſchwand. Ungeſehen erreichte er den Garten. Er wollte jetzt den Verſuch machen, ob derſelbe wirklich bis an die Straße ſtoße, wo ſein Bivouac lag, und nahm daher dieſe Richtung durch die dunklen Laubgänge. In wenigen Minuten ſtieß er auf die Mauer und fand nach kurzem Suchen eine Pforte, die nur von innen verriegelt war. Mit rüſtiger Kraft ſchob er die eingeroſteten Riegel zurück, und ſtand in der That an der Stelle, wo er ver⸗ muthete, kaum hundert Schritte von den Wachtfeuern ſeiner Leute. Dieſer heimliche Pfad, der ihn zur Geliebten führen konnte, war ihm ein neues Pfand des Himmels, ein neuer Wink des Geſchicks. Und blutete ſein Herz gleich noch friſch an der Stelle, wo er die ſanften Bande, die es bisher feſ⸗ ſelten, gewaltſam zerriſſen hatte, ſo fühlte er doch auch den lindernden Balſam, den die Hand des Schickſals ihm reichte.