Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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kalter, ſchauerlicher Windſtoß der Reue fuhr durch ſeine dü⸗ ſter nachglühende Bruſt.„Ob ich Dich liebe?“ ſpach er in brechender Wehmuth.„Außer Dir hat jetzt die Erde nichts mehr für mich! Du biſt das einzige Geſtirn, das mir leuch⸗ tet— ſollteſt Du!— nein, nein!— Du wirſt mir ewig glänzen. Du ſüße Geliebte! Deine zärtliche Hand heilte ja die glühende Wunde, mit der eine giftige Verrätherin mein— Herz grauſam zerriß! O, Du warſt mein guter Engel in ſchrecklicher Stunde!“

Er lehnte ſeine Stirn gegen die ihrige; ſeine Thränen floſſen unaufhaltſam. Wie er ſich auch dagegen wehrte, jetzt erſt fühlte er es,— er war doch nicht glücklich! Ein Wir⸗ belſturm hatte ihn hoch auf den Gipfel des Lebens getragen, aber unter ſeinen Füßen fand er keinen Boden; der Sturm ſenkte die Fittige, und mit ihm ſank er tiefer und tiefer hinab. Nur nach den leuchtenden Sternen über ihm hob er das Auge bang empor.

Der ſchauerliche Schlag einer Thurmuhr, der die neunte Stunde verkündete, weckte beide Liebende aus ihrer Be⸗ täubung.

„Du mußt fort,“ rief Aliſette aufſpringend;„wenn man Dich hier fände— ich wäre verloren!“

„Verloren! Wer dürfte nach dem Bund, den wir ge⸗ ſchloſſen—“ 3 „ um des Allmächtigen willen, ich höre Geräuſch,“ un⸗ terbrach ſie ihn;„die Thür öffnet ſich, der Schall dringt durch die leeren Gänge bis hieher. Wir hier im Dunkel— wenn man käme! Liebſter, wenn Dir mein Leben, meine Ehre theuer iſt, ſo verlaß mich jetzt! Du weißt nicht, wie ein weibliches Herz empfindet. Mich würde die Scham vernichten, wenn die Frauen— o, ich bitte Dich, ich flehe