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Francoiſe Aliſette ſelbſt in die leiſeſten Bewegungen und Sprachtöne zu ergießen wußte, das Rührende und Ergrei⸗ fende ihrer Erzählung und lebendigen Schilderung, der Ge⸗ danke an ihre weibliche Hülfloſigkeit in dem koloſſalen Trei⸗ ben des Kriegs, wo ſelbſt der einzelne Mann ſich gegen das unermeßliche Ganze verliert— vor Allem aber der unwider⸗ ſtehliche Reiz der Thränen eines ſchönen Auges: dies Alles drang ſo mächtig auf Jaromirs jugendliches, volles Herz ein, daß es gefangen war in dem purpurnen Netz, mit dem das liebliche Mädchen ihn umſpann, noch ehe er es ahnete. Aus dem Zutrauen, welches ſie ihm ſchenkte, ſchöpfte er eine ihm ſonſt unbegreifliche Kühnheit; es war ihm, als habe ſie ihr ganzes Geſchick in ſeine Hand gelegt, als ſei er der Herr ihres Thuns und Wollens. Mit raſch aufflammender Gluth preßte er ſeine Lippen auf ihre Hand und zog die ſcheu Widerſtrebende näher zu ſich heran. Seine glühende Wange berührte die geſenkte Aliſettens. Er zitterte in ſüßer Luſt der Liebe; auch ſie bebte in ſeinem Arme, den er kühn um die zarte Geſtalt ſchlang.
„Süßes, holdes Weſen,“ ſprach er zärtlich leiſe,„ſei meine Schweſter, ich will Dein Bruder ſein. Trockne Deine Thränen, lebe nicht mehr im bangen Schauer vor Deinem Geſchick, nun ſoll Alles, Alles vorüber ſein.“
„O Himmel, wie überſchütteſt Du mich mit ungehofftem Glück,“ rief Aliſette und neigte ſich wie überwältigt von der Macht ihrer Gefühle gegen den Freund, und verbarg ihr holdes Antlitz an ſeiner Bruſt. Wie eine flüchtende, ſchüchterne Taube ſchmiegte ſie ſich an, und er hielt ſie um⸗ faßt, ſeiner Kraft, ſeines männlichen Schutzes ſtolz bewußt.
„Du haſt meine Braut ſpäter geſehen als ich,“ ſprach er nach einigen Minuten.„O, erzähle mir von ihr! War ſie ſo traurig, wie ihre Briefe?“


