Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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und das Lied des Gondoliers in uns erweckt werden. Es war, als ziehe der Strom mit ſeinen Ufergebirgen plötzlich unter einem italieniſchen Himmel dahin, als ſei es die Welle der Brenta oder des Po, von der man ſich geſchau⸗ kelt fühle.

Der ſchöne, blondgelockte Benno war es, der die Saiten gerührt hatte, um eine Ballade vorzutragen, welche er auf eine Sage von dem Schreckenſteine gedichtet hatte. Die Schiffer ſaßen lauſchend am Steuer und richteten die Blicke auf den Sänger; die übrigen Hörer winkten, erfreut durch die überraſchung, einander mit den Augen Stille zu. Man hörte jetzt nichts als das leiſe Flüſtern der Wellen an dem Kiel des Schiffes. Der Mond warf ſeine Strahlen auf Benno's Angeſicht, der, einem begeiſterten Improviſator glei⸗ chend, das große blaue Auge gegen das Licht aufſchlug und dann mit wohlklingender Stimme die in Verſe gebrachte Sage vortrug, wonach ein tyranniſcher Vater den Geliebten ſeiner Tochter, als dieſer bei Nacht den ſteilen Fels hinaufklimmte, tückiſch lauernd in den Abgrund geſtürzt haben ſoll. Die Geliebte in ihrem Schmerz ſtürzt ſich nach in den Strom, und die ewig fortziehenden Wellen deſſelben bilden die Gruft des liebenden Paares und kühlen die Glut ihrer Schmerzen. Benno ſang mit ſanfter, angenehmer Stimme und tief em⸗ pfundenem Ausdruck.

Am Schluß des Liedes ſaß Alles, wie zuvor, in tiefem Schweigen. Wen hätte die traurige Mähr nicht erſchuͤktert? Wer hätte nicht in der eigenen Bruſt Anklänge gefunden für die heiligen Gefühle der Unglücklichen? Selbſt St. Luces und Beaucaire hatten ſo viel geſelligen Takt, die Stille nicht ſogleich zu unterbrechen, obwol ſie neugierig auf den Inhalt des Geſanges, deſſen Worte ſie nicht verſtanden hat⸗ ten, waren..

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