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fenſter ſtellen, von dem ſie zugleich den ſchauerlichſten Blick in die Tiefe und den reizendſten in die Ferne, das Thal hinab, hatte.
„Jetzt,“ ſprach Benno,„jetzt öffnen Sie die Augen! Nun iſt es Zeit, ſich umzuſchauen.“
„Heiliger Gott!“ rief Lodoiska und trat erſchreckend einen Schritt zurück, als ſie in den ſchwindelnden Abgrund vor ſich blickte. Doch einen Augenblick darauf hatte ſie ſich ſchnell gefaßt, und obwol ſie noch ein wenig zitterte, trat ſie doch, aber ohne Benno's Hand loszulaſſen, wieder dicht an die niedrige Fenſterbrüſtung und beugte ſich hinab.„Welch ſchauerliche Wonne!“ ſprach ſie beklemmt.„Wie paaren ſich hier Reiz und Schrecken ſo mächtig mit einander!“
„Nun,“ fragte Benno, niſt der Fels hoch? Verdient er ſeinen Namen Schreckenſtein?“
„Gewiß, gewiß! O es iſt überaus herrlich hier!“ rief Lodoiska, deren Bangen jetzt nach und nach in ein Staunen überging.„Wie klein unſere Gondeln dort in der Uferbucht erſcheinen! Schon das Gärtchen des Thürmers hier dicht unter uns liegt tief, und von dort ſenkt ſich doch erſt der Fels hinunter. Sehen Sie nur, wie die Schwalben faſt ſo tief unter uns ſchweben als ſonſt über uns!“
„Die Raubvögel aber bleiben noch immer hoch über
unſerem Haupte,“ bemerkte Benno, und deutete auf einen
Habicht, der eben quer über das Thal hinſchwebte und ſich auf breiten Fittigen wiegte.
Lodoiska hob das Auge aufwärts. Eben ſtand der Raubvogel faſt unbeweglich und ließ ſich nur von den breit ausgedehnten Schwingen tragen. Plötzich ſchoß er pfeil⸗ geſchwind auf einen Flug Bergtauben herab, der tief unter ihm geſellig kreiſte. Die verſcheuchten Thiere flatterten haſtig
nach allen Seiten auseinander; eine jagte der Stößer vor


