Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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Raſenſitz, wo er ſich an ihrer Seite niederließ. Indeſſen war die Sonne dem Meridian ſchon näher gerückt, und nur die hohen Wölbungen der Zweige erhielten es angenehm kühl. Doch war es Zeit, in das Städtchen zurückzukehren, wenn man das Mittagsmahl nicht warten laſſen wollte. Erlhofen als König erklärte dies für die wichtigſte Angelegenheit des Reichs und ſchwur Jedem die fürchterlichſten Strafen zu,

der hierin Ungehorſam oder Verrath üben würde. Gehorſam

nahm daher die Gräfin ſeinen Arm an, und der Zug ſetzte ſich paarweiſe, wie er gekommen war ,wieder in Bewegung und nahm ſeine Richtung hinabwärs.

Das Mahl war bereit; in gemiſchter Reihe ſetzte man ſich um die lange Tafel, um es einzunehmen. Erlhofen mit der Gräfin präſidirten natürlich, und der Monarch ließ es nicht an mannichfaltigen Reden fehlen, zu denen die Ta⸗ fel ihm hinlängliche Gelegenheit gab. Auch brachte er ſelbſt viele Trinkſprüche aus, welche allgemeines Ergötzen erregten. Dazu kam, daß der Wein, ſo ſparſam er auch die weib⸗ lichen Lippen benetzte, die Frauen dennoch unvermerkt mit ſeiner Macht überſchlich und ſie zu jener freieren Lebhaftig⸗ keit und Keckheit anregte, die, wenn ein gebildeter ſittlicher Sinn ſie ſtets in den Schranken des Schönen erhält, ihnen

ſo ungemein reizend ſteht. Sie verlieren dann unwillkürlich

nur das Zuviel der Sorgſamkeit und Selbſtbeherrſchung, gewinnen jenes offene Vertrauen, was ihnen den Muth ein⸗ flößt, auch einmal ihr ganzes fröhliches Herz zu zeigen; und, wie ſie ſelbſt ſo völlig ohne Arg ſind, werden ſie feſter und feſter in dem Glauben, keine Bruſt auf der weiten Erde ſinne und beherberge etwas Unlauteres. Dann tritt die

ſchöne weibliche Natur in ihrer heiteren Entfeſſelung von den

Banden vor uns, die doch nur die tief in unſere Sitten und Geſinnungen eingedrungene Verderbniß den Frauen auf⸗