Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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Alle ihn ſehen und hören können. Setzen Sie ſich daher auf meinen Thron, ſo lange die Erzählung dauert.“

Die Gräfin hatte ihre Worte noch nicht vollenden können, als auch ſchon Erlhofen aufſprang und rief:„Das verhüte der Himmel, daß ich meine Königin ihres Thrones beraubt ſehen ſollte. Aber der Dichter und der Sänger iſt der wahre König, denn er beherrſcht die Herzen, und zumal der Frauen. Er nehme daher meinen Thron ein und ſitze zur Seite der Königin, deren holde Nähe ihn begeiſtern möge.“

Alles rief dieſem Entſchluſſe Beifall, und der Jüngling, Benno war ſein Name, nahm mit einer Befangenheit und Scham, die ſeinem jugendlichen Antlitz ungemein reizend ſtand, an der Seite der Gräfin Platz. Nach einigem Beſin⸗ nen erzählte er ein von ihm ſelbſt auf eine der Gebirgsſagen gedichtetes Märchen. Es enthielt die Geſchichte eines von den Bewohnern der Berge und Ströme begünſtigten Jüng⸗ lings, der die Liebe einer Jungfrau, welche in den Tiefen des Gebirgsſees wohnt, gewinnt und ihr ewige Treue ſchwört. Doch er muß ſtrenge Prüfungen beſtehen; heimliche Kräfte und Mächte umgeben ihn überall. Zwar verwahrt ihn die Geliebte mit geheimnißvollen, wunderkräftigen Geſchenken ge⸗ gen die zauberiſchen Wirkungen; doch er wird verblendet, wird untreu, und plötzlich ſieht er ſich von allen Bildern ſeiner Täuſchung verlaſſen und in tiefſtes Elend geſtürzt. Voll Verzweiflung endet er ſein Leben, indem er ſich in den See ſtürzt, auf deſſen Grunde der kryſtallene Palaſt ſeiner Geliebten verborgen iſt. Seit jener Zeit haben ſich die blauen Wogen deſſelben getrübt und verfinſtert, und ſelbſt der lich⸗ teſte Himmel erblickt ſich in der Tiefe des Gewäſſers nur in einem ſchwarzen Spiegel. 8