Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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Lieder geſungen, vom Rauſchen der Wellen und Bäume be⸗ gleitet, um ihn einzuwiegen in ſanften Schlummer? Führte ſie Keinen in ihre Paläſte ein und ließ ihn dem Tanz der Nymphen, ihrer Geſchwiſter, zuſchauen? Oder iſt vielleicht ein Glücklicher unter uns, den ſie gar ſchmeichelnd nach ſich zog in die geheimnißvolle Grotte, um in trauter Einſamkeit mit ihm zu koſen? Ach ich fürchte, die ſchöne Zeit der Wunder iſt vorbei, und kaum daß uns noch der Dichter Kunde gibt von jenen goldnen Tagen, wo Götter ſich zu den Sterblichen geſellten! Wäre aber Jemand hier, der es ſelbſt erfahren hätte, daß die alten holden Träume nicht verklungen ſind, daß die gütigen Weſen, von denen unſere Urväter wußten, noch um⸗ herwandeln, wenngleich tief in die Einſamkeit geſcheucht durch das unheilige Geräuſch und Getöſe der Welt: er trete auf und erzähle uns, was er erlebte.“ Es blieb Alles ſtill, doch lächelte man vergnügt über die anmuthige Weiſe, mit der die Gräfin zum Erzählen einer Sage oder eines Mär⸗ chens aufgefordert hatte. Endlich erhob ſich ein junger Mann, der kaum zwanzig Jahre zählen mochte, aber durch ſein ſanftes, beſcheidenes, faſt jungfräulich zu nennendes Weſen, ſowie durch ſeinen ſchönen blonden Lockenkopf und die zarte Röthe und Rundung ſeiner Wangen bereits Allen aufge⸗ fallen war, und ſprach:„Ich bin vielleicht der Jüngſte in dieſer Geſellſchaft und darf nicht Anſpruch machen, durch meinen Vortrag etwas zu gelten; doch ich bin in dieſen Bergen auferzogen und kenne ſo manche ſchöne Sage, mit der man ſich hier im Volke trägt. Wenn ich—“

„O erzählen Sie geſchwind, erzählen Sie,“ riefen viele Stimmen und unterbrachen ſo den Eingang, den er blöde und erröthend geſprochen hatte. Die Graͤfin aber ſtand auf und ſprach:„Das iſt ſchön, daß Sie Ihrer Monarchin ſo gehor⸗ ſam ſind; allein der Erzähler muß einen Platz haben, wo