Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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— 33— 8 „Ihr habt Recht, Majeſtät! Wenn ich hier unſere Unter⸗ thanen betrachte, ſo möchte ich faſt behaupten, kein Mon⸗ arch in Europa beherrſche eine ſo gebildete, reiche und ſo folgſame Bevölkerung. Denn wir haben in unſerem Staate zwar Mangel an den nothwendigſten Einrichtungen, allein aus ſehr guten Gründen. Es fehlt uns eine Policei, weil wir keine Vagabunden haben, oder vielleicht alle zuſammen welche ſind; von einem Gerichtshof wiſſen wir nichts, aus Mangel an Verbrechen, und ein Advocat könnte unter uns nicht leben, weil, ſo lange unſer Thron ſteht, noch kein Proceß geführt iſt. Armenanſtalten fehlen, weil kein Bettler ſich zeigen will als höchſtens einer um einen Kuß; und da, hoffen wir, wird man ſich im Nothfall wohlthätig zeigen.“ „Nicht zu voreilig, lieber Monarch,“ erwiderte die Gräfin lächelnd,„nicht gar zu früh laßt uns über den guten Zuſtand unſeres Reiches frohlocken. Wer weiß, ob nicht bald Zwieſpalt und Aufruhr in demſelben ausbricht; wenigſtens dürfte Ihre letzte Annahme einen Gerichtshof nöthig machen, einen Lie⸗ besgerichtshof, verſteht ſich.“—„Da führen wir ſelbſt den Vorſitz, Königin,“ rief der Baron lebhaft,„und ich wollte nur, daß ſchon ein klagbares Liebespaar vor uns ſtünde.“ Unter dieſen Geſprächen hatte man ſich einen anmuthigen Punkt ausgeſucht, der auf weichem Mooſe unter ſchattiger Umbüſchung einen einladenden Ruheplatz darbot. Der König gab das Geſetz, daß man ſich in bunter Reihe lagern ſolle; die gehorſamen Unterthanen vollzogen den Befehl willig. „Ich denke,“ erhob der Monarch die Stimme,„wir richten uns mit unſeren Vergnügungen theils nach unſeren Kräften, theils nach den Winken, welche die Natur uns ſelbſt gibt. In dieſen ſtillen Vormittagsſtunden, wo die Sonne höher und höher ſteigt, die Wärme mit jedem Augenblick zunimmt,

muß man ruhend das Schöne genießen. Erſt der Nachmittag,