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in ihrem Weſen, daß ſie, obwol die jüngere mit allen Rei⸗ zen zarter Anmuth geſchmückt war, dieſelbe doch gewiſſer⸗ maßen verdunkelte. Das ſchwarze Haar, welches die weiße Stirn bedeckte, lieh in Verbindung mit dem großen, dun⸗ keln Auge dem Angeſicht eine edle Melancholie, welcher die älteren Züge, insbeſondere die mindere Friſche der Wangen, noch einen erhöhten Grad gaben. Zwar ſaß die Fre de, und ein weiter dunkelrother Shawl verhüllte den Bau 8 Körpers, allein man war gewiß, wenn ſie aufſtand, mußte ſie den Anſtand einer Königin haben. Die Tochter war ge⸗ wiſſermaßen der ſanfte blaß aufſteigende Mond jener präch⸗ tig untergehenden Sonne gegenüber. Man konnte nicht eben von einer Ähnlichkeit zwiſchen Beiden ſprechen, doch war wenigſtens eine nationelle Verwandtſchaft ſo hervorſtechend bemerkbar, daß auch der oberflächlichſte Blick hinreichte, einen nahen Zuſammenhang zwiſchen ihnen zu erkennen.
Während Marie ſich dieſen Eindrücken überließ, kehrte der Rittmeiſter zurück und ſprach:„Ich kann Ihnen jetzt genaue Kunde geben: die Damen ſind Polinnen, die ältere eine Gräfin Johanna Micelska, die jüngere ihre Pflege⸗ tochter, Namens Lodoiska.“
Marie ſchreckte freudig zuſammen, denn durch die Briefe ihres Bruders kannte ſie dieſe Namen und wußte, daß Jo⸗ hanna Raſinski's Schweſter war. Alllein ſie befand ſich in einer eignen, ängſtlichen Verlegenheit, da ſie gar nicht wußte, ob Raſinski ihrer jemals erwähnt habe; ihr Verhältniß zu Ludwig konnte er nicht mitgetheilt haben, da dieſer einen andern Namen führte, jedoch war es wol möglich, daß er ſie ſeiner Schweſter genannt hatte, zumal da alle Briefe Mariens unter Raſinski's Adreſſe gingen, und er auch Lud⸗ wigs oder Bernhards Antworten immer mit einem Couvert
von ſeiner Hand und mit ſeinem Siegel einſchloß und ſie


