Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

*

A

17

gegen den Marienberg verlief. Dort entdeckte man auch an einer Reihe dunkler Waldhöhen das Elbthal, wiewol man den Strom ſelbſt nicht gewahrte. Eine alte Linde bot den ſchattigſten Platz zum Früh⸗ ſtücken dar; einige gefällte Baumſtämme, welche am Boden lagen, wurden ſchnell zu ländlichen Ruheſitzen umgeſchaffen; überdies breitete man die Wagenkiſſen auf dem Naſen aus und erhielt ſo für die Frauen türkiſche Polſterſitze, auf denen ſich's trefflich ruhen ließ. Bald war der ganze fröhliche Kreis gelagert, und man beſchaute einander mit ſelbſtvergnügter Zufriedenheit. Jedermann lobte die Veranſtalter des Feſtes; dieſe gingen eifrig bemüht umher, fragten nach eines Jeden Wünſchen und Bedürfniſſen und ſuchten von den Damen Rath zu erholen, wie Dies und Jenes noch zweckmäßiger ein⸗ zurichten ſei. Indeſſen kreiſten ſchon die Erfriſchungen; in den Händen der Männer ſah man gefüllte Gläſer; der Geiſt des Weines verbreitete ſeinen belebenden Einfluß; Fröhlichkeit, Scherz und Muthwille regten ſich überall; das vertraulichſte Band der Geſelligkeit verknüpfte ſchon jetzt alle Anweſenden ſo, als ob ſie längſt mit einander umgegangen wären, wiewol die Meiſten ſich doch faſt fremd waren. Marie ſelbſt wurde heiter in dieſer heitern Umgebung; doch war ſelbſt in den glücklichſten Zeiten ihre Freude immer ſtillerer Art; ſie genoß mit einem reizenden Lächeln auf den Lippen, was ſich ihr Schönes darbot, gewiſſermaßen nur in einem innern wohl⸗ gefälligen Betrachten der Bilder, welche von außen her in ihre Seele fielen. So ließ ſie auch jetzt die Blicke ruhig über den Kreis der Verſammelten ſchweifen und betrachtete die mancherlei Geſtalten, deren es ernſte und komiſche, reizende und zurückſtoßende im bunten Gemiſch durcheinander gab. Vor Allen fielen ihr aber zwei Frauen auf, welche ihr gegen⸗ über ziemlich entfernt, gegen den Stamm eines Baumes ge⸗