ein ſehr frühes Aufſtehen wurde nothwendig, die übrigen Beſchäftigungen mußten danach geregelt werden. Dahin ge⸗ hörten auch die Spaziergänge, welche der Arzt verordnete. Marie begleitete ihre Mutter überall; während ſich dieſelbe im Bade befand, pflegte ſie mit einigen Bekanntinnen aus Dresden, die ſich gleichfalls als Badegäſte eingefunden hat⸗ ten, einen Spaziergang, zumeiſt im Schloßgarten, zu machen. Auf dieſem wurde Marie, ſo eingezogen ſie übrigens lebte, doch allmälig mit den verſchiedenen, zum Theil ſeltſamen Figuren, welche ſich in dem Badeort verſammelt hatten, be⸗ kannt. Nach und nach wußte man, mit wem man die Ba⸗ dezeit zubrachte, Abreiſende wurden vermißt, Neuankommende ſogleich bemerkt. Die größere Freiheit des Umgangs, welche in einem Bade herrſcht, brachte es mit ſich, daß man auch mit fremderen Männern leicht in ein Geſpräch gerieth. Dieſe ſchloſſen ſich auch ſehr gern an die Gruppe an, in welcher ſich Marie befand; denn ihr feiner Wuchs erregte ſchon von ferne Aufmerkſamkeit, ihre zierliche, wiewol ſehr be⸗ ſcheidene Tracht reizte näher zu gehen, der ſanfte, weibliche Ausdruck ihrer Züge, der treue Blick des blauen Auges und vor Allem ihr einnehmendes, von ſpröder Zurückgezogenheit wie von anmaßendem Hervortreten gleich entferntes Weſen feſſelten ſo mächtig, daß ſich ältere wie jüngere Männer be⸗ ſtrebten, in ein Geſpräch mit ihr zu kommen. Auch Frauen fühlten ſich durch Mariens Weſen ungemein angezogen, und einſtimmig bedauerte man es, daß dieſe liebenswürdige Er⸗ ſcheinung nur in der einen Morgenſtunde ſichtbar war und für den ganzen übrigen Theil des Tages verſchwand. Zum Theil war dies eine Täuſchung; denn obwol Marie nur die ſchönſten Abende zu Spaziergängen benutzen konnte, weil die Mutter jede Feuchtigkeit und Kühle ſcheuen mußte, ſo war ſie doch nicht ſelten mit dieſer und auch wol im Kreiſe
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