Teil eines Werkes 
2. Band, 1812 : ein historischer Roman : 2. Theil (1843)
Entstehung
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wie hätte ſie nicht durch fromme entſagende Betrachtung, durch ein ſtetes aufmerkſames Zuſammenhalten ihrer Kräfte und Pflichten, durch ein williges Anerkennen alles Deſſen, was ihr Gütiges begegnete, auch der trüben Verwirrung tief ſchmerzlicher Geſchicke eine ſanftere Geſtaltung geben, durch einen gefaßten Willen die Heftigkeit aufgeregter Leidenſchaf⸗ ten auf eine ſchöne, wohlthuende Weiſe zügeln ſollen? Dieſer eigenthümlichen Kraft ihres Gemüths verdankte ſie eine ſanfte Heiterkeit, die ſie ſogar in ſo traurigen Zeiten,

wie ſie jetzt durchlebte, nicht verließ und ſich auch auf ihre

Umgebungen verbreitete. Und die ſegnende Wirkung dieſer, es iſt ſchwer zu entſcheiden, ob durch übung des Willens oder durch eine glückliche Naturanlage erlangten Kraft ſtrömte auch auf ſie ſelbſt zurück. Denn wie ſie durch dieſelbe ihre Nächſten, Liebſten und vor Allen ihre Mutter erheiterte, ſo wurde ſie ſelbſt in der That glücklicher, froher, hoffnungs⸗ reicher und ſah, wenngleich durch einige trübe Schleier, doch mit freierem, vertrauensvollem Blicke in die Zukunft hinaus. Am erſten Abende verließen beide Frauen das Haus nicht mehr; Marie hatte den Theetiſch in die Gartenlaube tragen laſſen, wo man, von wilden Weinranken und blühendem Je⸗ längerjelieber umſchattet, behaglich im Kühlen ſaß und den Schloßberg mit ſeinen Ruinen, von der Abendſonne glän⸗ zend vergoldet, vor ſich ſah. Hierhin lud ſie die Töchter des Wirthes ein, Anna und Thereſe, die erſte ein zwölfjähriges, kluges, aufgewecktes Kind, das Marien ſchon ſo manche Be⸗ lehrung verdankte und ſie wohl genutzt hatte, die andere ein blondes, vierjähriges Lockenköpfchen, deſſen drollige Munterkeit und liebkoſendes zuthuliches Weſen es Marien ſo lieb wie ein Schweſterchen machten, wenn ſie auch nicht die Pathe der Kleinen geweſen wäre. Anna fand ſich geehrt dadurch,

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