mit Wohlgefallen ihre Blicke über die bekannte Landſchaft ſchweifen. Mit träumeriſcher Ahnung heftete ſie das Auge an die hohen blauen Bergkoloſſe der beiden Miliſchauer, welche, ein majeſtätiſches Zwillingspaar, im Herzen Böhmens aufſtiegen und den Haupttheil der öſtlichen Begrenzung des Horizonts einnahmen. Über ſie hinaus, dorthin, wohin der Weſtwind die verziehenden Gewitterwolken trieb, dorthin lag das ungeheure Land, wo jetzt die Theuerſten weilten, welche ſie auf Erden beſaß. Denn in tiefer, verſchleierter Stille ſchlug ihr Herz auch für den Mann, deſſen männlichwür⸗ diges Weſen, deſſen edler Sinn ihre Liebe zugleich mit der wärmſten Achtung gewonnen hatte, und dem ſie gern gefolgt wäre, wenn ſie ſich nicht durch heiligere Bande an das Va⸗ terland gefeſſelt fühlte.
Der Wagen mußte des ſteilen Abhanges wegen einhem⸗ men, daher konnten die Frauen einen nähern Fußpfad ein⸗ ſchlagen, der ſich bald wieder mit der Straße vereinigte. Dort ſtiegen ſie ein und erreichten nunmehr nach wenigen Stunden ihren wohlbekannten Aufenthaltsort. Sie wurden daſelbſt von ihren alten Wirthen, dem Tiſchlermeiſter Holder und ſeiner Frau, denen ſie ſchon angemeldet waren, aufs freundlichſte begrüßt, und Marie hatte die Freude, von allen Kindern des Hauſes, ſelbſt von dem kleinen vierjährigen Mädchen, wieder erkannt zu werden. In wenigen Minuten waren ſie in ih⸗ ren beiden ſtillen Gartenſtübchen eingerichtet und fühlten ſich ſo traulich und wohl daſelbſt wie in ihrem eignen Hauſe. Die Thür ihres Wohnzimmers leitete unmittelbar in den ziemlich großen Garten— denn das Haus lag in der Vor⸗ ſtadt— hinaus; zwar war derſelbe größtentheils zu Obſt und Küchengewächſen benutzt, jedoch fanden ſich auch einige Blu⸗ menſtöcke und ſchattige Lauben darin, welche einen ganz an⸗ genehmen Aufenthalt gewährten, zumal da man in der Ferne
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