der Geſundheit, welches der verſchloſſene, entweder aus Grund⸗
ſatz, oder in Folge einer beſonderen Eigenthümlichkeit des Gemüths ſich wenig äußernde, innerlich aber deſto mächtiger verzehrende Schmerz ausübt. Und die Mutter duldete ſo. Ein Fremder hätte bei dem ſteten Gleichmuthe, welchen ſie zeigte, bei ihrer freundlichen, wiewol nicht lebhaften Theil⸗ nahme an Allem, was um ſie her vorging, ſchwerlich geah⸗ net, daß die Bruſt dieſer ſtill wohlwollenden Frau von einer ſo ſchweren Sorge, einem ſo tiefen Kummer erfüllt war. Marie kannte ſie und fürchtete daher um ſo mehr, je we⸗ niger zu fürchten ſchien.
So ſeltſam es ſcheinen mag, ſo war doch dieſe Zeit der Prüfungen eine ungemein wohlthätige für Marien, denn die ſtrengen Forderungen der Pflicht, welche ſie als beſorgte Pfle⸗ gerin der Mutter zu erfüllen hatte, zogen ſie von der ſteten Beſchäftigung mit ihrem eigenen Schmerze ab, der auf dieſe Weiſe unvermerkt von ſeiner herben Schärfe verlor und mild auszuheilen begann, ſodaß ſie nicht mehr die heißen Schmer⸗ zen der Wunde ſelbſt, ſondern nur die ſanfte Ermattung empfand, welche nachzufolgen pflegt, wenn die heftigſte Ver⸗ blutung vorüber iſt. Sie war auch zu einer äußerlichen Thätigkeit gezwungen, und dieſe zog ſie am meiſten von dem Verſinken in ſich ſelbſt ab. Manches trug auch Das dazu
bei, daß abwechſelnd Julie oder Emma vom Lande herein⸗ kamen und ihr treulich Geſellſchaft und Beiſtand leiſteten.
So verſtrich die Hälfte des Sommers faſt zum Erſtau⸗ nen ſchnell, und die Tage fingen ſchon merklich an wieder abzunehmen, als die Mutter ſich wieder geſtärkt genug glaubte,
um ins Bad nach Teplitz gehen zu können, welches ſie in jedem Jahre zu gebrauchen pflegte. Der Julius war noch nicht ganz verfloſſen, als ſie dieſe Reiſe in Begleitung Ma⸗ riens antrat. An einem heitern Morgen, wo der Himmel
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