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Schaaren verdoppelte. Jetzt brach auch der Kaiſer auf und ritt mit ſeinem Gefolge an den Colonnen hinunter, der mittlern Brücke zu und hinüber. Nicht zagend, nicht bedenklich, betrat er das feindliche Ufer; ungeſtüm, feurig ſprengte er hinüber. Jenſeit hielt er an und ließ die Schaaren an ſich vorüberziehen; der Blick ſeines dunklen Auges entzündete ein unerlöſchliches Feuer des Muthes in der Bruſt der Krieger. Sie begrüßten ihn mit lau⸗ tem Jubel, daß das ganze Gefilde erdröhnte und die ſtum⸗ men Waldwüſten das brauſende Getöſe ſtaunend zu ver⸗ nehmen ſchienen.
Erſt gegen die zehnte Vormittagsſtunde rückte Naſinski mit ſeinem Regiment über die Brücke; der Kaiſer ſah ihn wohlwollend an und grüßte freundlich, als die Polen in ihrer Sprache den Jubelruf:„Es lebe der Kaiſer!“ erhoben. Dann wandte er plötzlich ſein Roß und jagte pfeilſchnell die ſandige Landſtraße hinunter, tief in den Wald hinein, ſodaß er den Blicken ſeiner Krieger völlig verſchwand. Ein Gefühl ſeltſamer Unruhe bemächtigte ſich ſogleich ihrer Bruſt, als ſie Den, der ſie in dieſe Oden des Nordens geführt hatte, plötz⸗ lich allein in denſelben verſchwinden ſahen, als würde er von der Wüſte verſchlungen. Doch bald kehrte er mit verhäng⸗ tem Zügel zurück. Er ſah unruhig, mißmuthig aus; es ſchien ihn zu verdrießen, daß er den Feind, den ſein kampf⸗ begieriges, ſieggewiſſes Herz herbeigewünſcht, nicht antraf.
Langſam zogen die Heermaſſen den Strom aufwärts. Jetzt hörte man in der Ferne Kanonendonner. Man lauſchte; es dröhnte abermals dumpf, wie fernes Krachen des Geſchützes.
In Aller Zügen las man die unruhige, erwartungsvolle Spannung; die Reihen ſchloſſen ſich dichter, ordneten ſich ſtrenger. Adjutanten ſprengten hin und wieder; Generale jagten die Uferhöhen hinauf. Man durfte vermuthen, daß


