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eines der Seitencorps unter dem Koönige von Weſtphalen oder dem Vicekönige von Italien den Kampf angenommen habe. Da tönte das dumpfe Rollen ſtärker, aber es war nicht das einer fernen Schlacht, ſondern der Donner eines ſchwer heraufziehenden Gewitters.
Schon wuchs das ſchwarze, mit ſchweflichen Wetterſtrei⸗
fen durchzogene Gewölk über die niedern Waldhügel herauf;
der Strom ſchoß in finſtern Wellen dahin; die Sonne ver⸗ ſchwand. Von allen Seiten zog ſich die düſtere Hülle über das reine Blau des Himmels; ringsumher rollte der Don⸗ ner; eine erſtickende Schwüle beklemmte den Athem. Schwei⸗ gend, langſam rückte das Heer vorwärts; man vernahm nichts als das geheimnißvolle, hoch über den Haͤuptern und rings in den Tiefen der Wälder murmelnde Getöſe des Donners. Jetzt erhob ſich auch der Sturm, zog ſauſend heran und jagte die Wellen mit ſchäumenden Häuptern zwiſchen den Ufern dahin. Plötzlich zuckte ein furchtbarer Blitz durch den Himmel, daß der ganze Horizont in Feuer ſtand und der Niemen die flammende Helle röthlich zurückſpiegelte. Mit bleichem Antlitz ſahen die Krieger einander an. Da krachte der Donner betäubend über ihren Häuptern, der Himmel zer⸗ riß und in ziſchenden Strömen praſſelte der Regen herab. Das war der Empfang auf Rußlands Boden!
Oruck von F. A. Brockhaus in Leipzig.


