Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

369

während meiner Abweſenheit etwas vorfallen, ſo haben Sie ſich an den Rittmeiſter Negolinski, als den älteſten des Regiments, zu wenden. Er iſt bereits benachrichtigt. Auf Wiederſehen! 1

Sie ritten im Schritt hinweg, den Hügel herab durch das Gebüſch grade auf das Zelt des Kaiſers zu.

Wie ſpät iſt's? fragte Naſinski.

Halb zwei Uhr, erwiderte Bernhard.

So kommen wir noch faſt zu früh. Um zwei Uhr, im erſten Dämmerſchein will der Kaiſer den Niemen recognosci⸗ ren; ich bin befehligt, mich ſeinem Gefolge anzuſchließen, weil ich die Gegend genau kenne. Ich empfehle Euch mög⸗ lichſte Stille, lieben Freunde, denn in ſo wichtigen Zeit⸗ punkten, wo der Kaiſer ſeine ungeheuren Entwürfe abwägt, haßt er jedes müßige Geräuſch.

Beide junge Männer wurden durch dieſe Worte in eine feierliche Spannung verſetzt. Zum erſten Male ſollten ſie jetzt Zeugen eines jener großen Augenblicke ſein, wo der Beherr⸗ ſcher Europa's die erſten Fäden zu einem kühnen, rieſenhaf⸗ ten Gewebe aufſpannte. Sie wurden gewiſſermaßen in die Werkſtätte der Weltgeſchichte geführt, ſollten dem unſcheinba⸗ ren Quell der Ereigniſſe nahen, der, zum Strom, zum Ocean anwachſend, die Geſchicke ganzer Nationen auf ſeinen brau⸗ ſenden Fluthen zu wiegen beſtimmt war.

Stumm ritten ſie, dem gleichfalls ernſt ſchweigenden Führer folgend, durch Nacht und Wald dahin, zwiſchen den rechts und links düſter glimmenden Feuern des Lagers hin⸗ durch, auf das Zelt des Kaiſers zu. Sie fanden dort ſchon mehrere Generale und Offiziere verſammelt. Einige Minuten ſpäter trat der Kaiſer aus dem Zelt und ſchwang ſich aufs Pferd. Es begann ſchon zu dämmern; doch war die ganze

TLandſchaft noch in einen grauen Schleier, welchen hie und

J. 17