Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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368 Sechstes Capitel.

Mitternacht war vorüber. An einem größern Feuer, unter einer breitäſtigen Eiche, in den Reitermantel gehüllt, lag Naſinski und ſchlief auf dem ſchlichten Lagerſtroh, ohne das Obdach einer Hütte oder eines Zeltes über ſich zu ha⸗ ben; Boleslaw, Jaromir, Bernhard und mehre jüngere Offi⸗ ziere waren um ihn gelagert.

Eine Ordonnanz trat in den Kreis und fragte Ludwig, der eben die Feuerwache hatte, nach Raſinski. Noch ehe er antworten konnte, fuhr dieſer, deſſen leiſer Schlummer ſeine Wachſamkeit kaum unterbrach, bei dem Klange ſeines Na⸗ mens auf.

Was gibt's? fragte er, ſich aufrichtend.

Die Ordonanz überreichte ihm einen verſiegelten Zettel, den Raſinski bei dem Schimmer des Bivouacfeuers las. Sehr wohl, Kamerad! Ich werde pünktlich ſein, ſprach er, nachdem er den Inhalt geleſen hatte.

Die Ordonnanz entfernte ſich wieder. Raſinski rief nach

ſeinem Reitknecht.Sattle ſogleich meinen Rappen, gebot

er dieſem;und auch Ihr, Freunde, wandte er ſich zu

Ludwig und dem gleichfalls erwachten Bernhard,ſattelt Eure Pferde, denn wir müſſen ſogleich fort.

Schnell ſprangen Beide auf und eilten nach ihren Pfer⸗ den; denn ſie hatten ſich's zum Geſetz gemacht, alle Arbeiten des Soldaten ſelbſt zu verrichten, um weder weichlich zu er⸗ ſcheinen, noch Neid zu erregen. In wenigen Minuten kehrten ſie zu Pferde zurück. Raſinski war ſchon aufgeſeſ⸗ ſen. Die übrigen Offiziere, welche am Feuer gelegen hatten, waren erwacht und aufgeſtanden.Ich bin wahrſcheinlich vor Tagesanbruch zurück, ſprach Raſinski;ſollte indeſſen