ſie weich;„in einer Stunde ſchon ſpreche ich das entſchei⸗ dende Wort aus.“
Sie zitterte; das Mädchen ahnete, was ihre Gebieterin
empfinde. Sie weinte ſtill und übte ſchweigend ihre kleinen Pflichten.
„Welches Kleid?“ fragte ſie, als Feodorowna nur noch des letzten Gewandes bedurfte.
„Das ſchwarze— nein, das weiße; ich traure ja um Niemand, ich bin ja ſelbſt die Blutende. O, wäre ich eine Braut, die man für die Gruft ſchmückt!“
Es war ein Ausruf des tiefſten, die Seele zerreißenden Schmerzes, der ſich der Duldenden entrang. Ermattet ſank ſie in Jeannettens Arme und weinte überwältigt an ihrer Bruſt.
Nach einigen Minuten richtete ſie ſich ſanft empor; ſie wandte einen frommen Blick auf das Muttergottesbild, an welchem eben einige Sonnenſtrahlen ſpielten.„Ein Troſt, eine Hoffnung bleibt ja doch unzerſtörbar in unſerer Bruſt,“ ſprach ſie mit mildem Laut;„warum will ich denn verza⸗ gen? Nach allen Erdenmühen muß ja die Stunde kommen, wo Du Dein Kind mit unvergänglichem Heil beſeligſt.“ Von jetzt an blieb ſie ruhig. Schön wie eine Lilie mit ſanft gebeugtem Kelch war ſie in der weißen Seiden⸗ hülle. Sie ſchwebte an Jeannettens Arm hinab in den Saal. Dort harrten ſchon die Altern, Ochalskoi, Gregor.
Eine ſtumme Begrüßung fand ſtatt.
„Ich wünſche, daß der Vater Gregor meine Verlobung einſegne, wenn es auch ſonſt nicht gebräuchlich iſt,“ bat Feodorowna ſanft, aber in einem Tone, der keine Abweiſung zuließ.
Gregor ſprach einige Worte. Dann wurden die Ver⸗ lobungsringe gewechſelt, und die Braut duldete ſtumm die Umarmung und den Kuß Deſſen, dem ſie ſich jetzo feierlich


