— 356—
ſtarrer, unbegreiflicher Ungehorſam konnte ihr Herz von Dir abwenden.“
Feodorowna richtete ihr Auge gen Himmel und ſeufzte leiſe. O wie gern hätte ſie dieſen Worten Glauben ge⸗ ſchenkt; allein ſie fühlte, es war unmöglich, denn die That widerſprach ihnen zu hart. Wie hätten liebende Ältern ihr Kind der jahrelangen, ſtummen Qual übergeben können? Auch war kein Blick der Liebe in ihren Augen zu leſen, ſon⸗ dern nur das Wort ahmte todte Formen der Neigung nach.
Sie ging zurück auf ihr Gemach.
Im Vorzimmer traf ſie Paul bleich, mit kummervollen Zügen an, denn er war zu furchtbar von dem Sturm ge⸗ waltiger Leidenſchaften auf⸗ und niedergeſchleudert worden, um aus einem leichten Schimmer der Hoffnung Muth ſchö⸗ pfen zu können. Erſt jetzt gab ihm Feodorowna durch die Verſicherung das Leben wieder, daß ſein Schickſal ganz in ihrer Hand liege. Sie hieß ihn ihr folgen; im Gemach führte ſie ihn ſelbſt zu der ſelig erröthenden Axinia, legte ihre Hände ineinander und ſprach:„Seid glücklich! Ihr waret nicht ohne Schuld, doch Ihr habt ſie ſchwer gebüßt. Weihet nun Eure Liebe durch den geheiligten Bund der Ehe. Dann aber, Paul, verlaſſe dieſes Land und kehre zurück in Deine Heimat. Wehe Dem, der es Vaterland nennen muß; wohl Dem, der eine andere Heimat kennt! Beſchützen kann ich Euch nur, ſo lange ich hier bei Euch verweile; es wer⸗ den vielleicht nur wenige Wochen ſein. Drum ſobald der Pfad Euch offen ſteht, ziehet hin in Länder, wo ein mil⸗ des Geſetz über Allen gleich waltet. Jetzt laßt mich; geht, ſeid glücklich.“.
Sie wandte ſich ab, um den Schmerz zu verbergen, der
ſie überwältigte.
Arinia ſprach, indem ſie ihre Hand ergriff, ſchüchtern,
2—


