ein Raſender, begehrt ungeſtüm, was er in tiefſter Demuth erflehen ſollte, und da ich es ihm ſtreng verweigere, ſtürzt er wüthend auf mich ein und bedroht mein Leben mit je⸗ nem Meſſer dort!“ Dolgorow deutete hier auf den Tiſch, wo ein Gartenmeſſer lag.
„O, vergeben Sie dem Wahnſinn eines Verzweifeln⸗ den,“ bat Feodorowna,„und krönen Sie das Werk Ihrer Gnade durch eine noch ſchönere Handlung menſchlichen Mit⸗ gefühls?“
„Genug,“ entgegnete der Graf ſtreng,„das Geſchehene habe ſeinen Lauf! In der That, eine liebevolle Tochter, die den Mörder ihres Vaters belohnt wiſſen will!“
„O, allmächtiger Gott der Gnade!“ rief Feodorowna aus und rang verzweiflungsvoll die Hände;„ſo ſoll denn das gräßlich Unmenſchliche geſchehen, und mein Flehen kann den Unglücklichen nicht retten! Vater! Vater! Es gibt einen Gott im Himmel; er wird Euch richten, wie Ihr ge⸗ richtet habt! Auf welche Gnade habt Ihr zu hoffen, wenn Euer Herz ſich dem Mitleid ehern verſchließt? O, Land des Entſetzens, wo die Willkür ohne Schranken gebietet! Va⸗ ter, hören Sie die Bitte Ihrer Tochter, üben Sie das gött⸗ liche Recht der Gnade!“ Feodorowna ſtand bleich und zit⸗ ternd mit flehend emporgehobenen Armen vor dem Vater und war im Begriff, zu ſeinen Füßen niederzuſinken, als der angſtvolle Ruf einer weiblichen Stimme draußen erſchallte, und gleich darauf Axinia mit fliegendem Haar hereinſtürzte.
„Laßt mich, laßt mich! Ich muß!“ So rief ſie wild, ent⸗
rang ſich den Dienern, welche ſie zurückhalten wollten, und
warf ſich außer ſich vor Dolgorow nieder, indem ſie mit bei⸗ den Armen ſeine Kniee umklammerte.„Gnade! Gnade!“
wimmerte ſie. Ihre Stimme erſtickte in athemloſer Angſt;
heftig preßte ſie das Antlitz gegen die Füße des Gebieters,


