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Drittes Capitel.
Feodorowna war ſpät entſchlummert; ſie erwachte daher erſt, als die Sonne ſchon hoch am Himmel ſtand. Da ſie ihrem Mädchen klingelte, trat dieſe ängſtlich mit Thränen in den Augen ein.„Was haſt Du, Jeannette?“ fragte ſie erſtaunt.
„Ach, gnädigſte Gräfin, wie ſchrecklich wird man in dieſem Lande gemißhandelt! Der unglückliche Menſch wird die gräßliche Strafe nicht überleben!“
„Wer?“ fragte Feodorowna erſtaunt;„was iſt geſche⸗ hon? Wer wird mißhandelt?“
Unter Zittern und Schluchzen ſtotterte Jeannette die Worte heraus:„Der Herr Graf iſt gar zu aufgebracht! O Himmel, wenn es mir einmal ſo ergehen ſollte! Das junge Blut— und vierzig Knutenhiebe! Er ſtürzte ja ſchon lei⸗ chenblaß zu Boden, als der Herr Graf den Befehl gab.“
Feodorowna war mehr todt als lebendig.„Wer? wer?“ rief ſie außer ſich und trat erblaſſend zurück, als Jeannette den Namen des Gärtners Paul nannte. Das Mädchen ſprang der Gebieterin, die in Ohnmacht zu ſinken drohte, zu Hülfe. Doch nur wenige Augenblicke dauerte Feodorow⸗ nas halbe Betäubung; dann ermannte ſie ſich mit gewalt⸗ ſamer Anſtrengung und rief:„Gib ſogleich Befehl, die Leute ſollen einhalten, ich verantworte es! Eile, eile hinab, ehe es zu ſpät wird.“
Jeannette flog wie ein Reh durch den Vorſaal, die Stufen hinunter, in den Hof, wo drei Knechte eben beſchäf⸗ tigt waren, den Unglücklichen an den Marterpfahl zu binden.
Indeß kleidete ſich Feodorowna in der höchſten Eile an,


