Pflicht halten, von der er ſelbſt ſich nicht loszuſagen ver⸗ mag. Du, gehe nun nach Hauſe, und lege Dich getröſtet zur Ruhe; für heute iſt es zu ſpät, doch morgen mit dem Früheſten will ich Paul zu mir rufen laſſen und ſelbſt mit ihm ſprechen. Nun gute Nacht; ſtille Deine Thränen, Axri⸗ nia, Gott hat Deine Reue, Deinen Schmerz geſehen; er wird Dir vergeben. Und haſt Du bittere Tage, troſtloſe Nächte erdulden müſſen, ſo glaube nur, Du biſt nicht die einzige Unglückliche auf dieſer Erde.“ Schnell wandte ſich Feodorowna nach dieſen Worten ab, verhüllte das ſchöne Antlitz in ihr Tuch, ſank müde in die Kiſſen ihres Lagers
und ſtützte das gramgebeugte Haupt trauernd in die Hand.
Axinia ergriff in gerührter Dankbarkeit die matt herabgeſun⸗ kene Rechte ihrer Gebieterin, bedeckte ſie ſtumm mit Küſſen und Thränen und verließ dann leiſe das Gemach. Es war ſchon Alles ſtill im Hauſe, das Kammermädchen, Jean⸗ nette, eine deutſch und franzöſiſch ſprechende Elſaſſerin, wel⸗ che Feodorowna erſt vor wenigen Wochen zu St. Petersburg in ihre Dienſte genommen hatte, harrte noch im Vorſaale auf die Befehle ihrer Gebieterin. Sie geleitete Axinia bis an die Pforte hinab, die der alte Schließer mürriſch öffnete. Der Ordnung des Hauſes gemäß, die um ſo ſtrenger beob⸗ achtet wurde, da der Herr eben wiedergekehrt war, befanden ſich alle Diener und Beamte ſchon in ihren Wohnungen. So gern daher Axrinia ihren Freund von der glücklichen Wendung ihres Geſchicks unterrichtet hätte, ſo beſtimmt ſie wußte, daß er bange darauf geharrt hatte, ſo war es doch
heute nicht mehr möglich für ſie; haſtig, durch die ſpäte
Stunde ein wenig ängſtlich, ſchlüpfte ſie daher der Hütte ihres Vaters zu, in der ſie ſeit einem Monat die erſte Nacht zubrachte, ohne wachend in hoffnungsloſem Jammer auf ihrem Lager zu ſitzen.
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