Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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es ihr geſtattete, das Bekenntniß ihrer Verirrung abzulegen. Der Graf hatte einen jungen Deutſchen, Namens Paul, als Gärtner in ſeinen Dienſten, den er ſehr begünſtigte. Dieſer hegte ſchon längſt eine Neigung zu der anmuthigen Arinia, der ſich jedoch ihr Vater Waſiliew widerſetzte, weil der Graf abweſend und deſſen Erlaubniß unumgänglich noth⸗ wendig war. Sein Aufenthalt war aber damals den Be⸗ wohnern ſeiner Güter unbekannt, indem er ſchon ſeit Jahren durch die entfernteſten Länder Europas reiſte. Zugleich trug der Alte Bedenken, weil Paul ſich zur proteſtantiſchen Neligion bekannte. Indeſſen hatte Axinia ihm ihre innigſte Liebe zu⸗ gewendet, und Beide unterhielten lange ein geheimes, ſüßes

Verſtändniß. Als nun der keimende Frühling alle Triebe

mit ſüßen Kräften ſchwellte, wurde auch in den jugendlichen Herzen die Leidenſchaft mächtiger als das ſtrenge Gebot der Pflicht. Paul, der ſeinem deutſchen Herzen die knechtiſchen Geſinnungen der Leibeigenen nicht einzupflanzen vermochte,

glaubte überdies ein Recht des freien Menſchen üben zu dür⸗

fen und wähnte, wenn Arinia erſt durch die Bande der Liebe ſein Weib ſei, ſo müſſe ſich auch das Geſetz ſeinem Willen fügen. Mit kühnem Ungeſtüm bedrängte er das weiche, hingebende Mädchen; ihr widerſtehender Wille ermat⸗ tete und löſte ſich kraftlos auf in dem ſüßen Rauſche des Herzens. Sein glühendes Bitten, ſeine brennenden Küſſe ſiegten über ihre Thränen, über ihre bangen Seufzer. Zu ſpät erwachte ſie aus der qualvoll ſeligen Betäubung, und mit Entſetzen ſah ſie nun das wahre Antlitz der That, er⸗ kannte die Natter, die ſich unter den Roſen ringelte, auf denen ſie entſchlummert war. 2

Die ſtumme Todesangſt in der Bruſt, barg ſie ſich ſcheu im Hauſe des Vaters und ſah ſelbſt den Geliebten nicht mehr. Angſtvolle Nächte folgten den Tagen der Qual.

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