Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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Ein großer, liebender Entſchluß war in dieſem Augen⸗ blicke in ihrer Seele gereift; ſie wollte ſich bittend, reuig, weinend zu den Füßen des Vaters und der Mutter werfen und von ihrer Liebe erflehen, was ſie bereits durch Feſtig⸗ keit zu erringen ſich vorgenommen hatte. Schnell wandte ſie ſich umz da ſah ſie den Saal leer, nur die Diener wa⸗ ren noch beſchäftigt, die Tafel abzuräumen. Ihre Ältern, Graf Ochalskoi hatten ſich bereits gleichgiltig, ohne Nacht⸗ gruß entfernt; der Letztere wol nur, weil Dolgorow ihn zu einem vertrauten Geſpräch an den Arm genommen und mit in ſein Gemach geführt hatte. Von dem Schauer des Unbehagens berührt, den plötzlichen, vollen Erguß ihrer Seele ſo ſtörend gehemmt zu ſehen, koſtete es Feodorowna Muͤhe, die

außere Faſſung zu behalten. Da drang plötzlich der Gedanke

ſanft tröſtend in ihr Herz: es wartet ja ſelbſt eine Unglück⸗ liche auf Milderung ihrer Leiden durch mich; ich will ſie freundlich an dieſes Herz nehmen; was ſie auch quäle und bedränge, von mir ſoll ſie die Liebe erfahren, nach der ich mich ſo vergeblich ſehne. Mit dieſen Gedanken ging ſie hin⸗ über auf ihr Gemach, um Axiniens Klagen zu hören.

Als ſie, denn ihr ſchwebender Schritt war kaum zu hören, unvermuthet die Thür ihres Zimmers öffnete, ſah ſie das Mädchen im inbrünſtigen Gebet vor einem Marien⸗ bilde knien, welch einer Niſche an der gegenüberſtehenden Wand aufgeſtellt war. Um ſie nicht zu ſtören, blieb Feodo⸗ rowna an der Schwelle ſtehen. Axinia kniete ſo, daß nur ihr Halbprofil zu ſehen war. Dieſes wurde aber durch das Roſenlicht, welches durch die Fenſter zur Seite fiel, zaube⸗ riſch beleuchtet. Sie hatte die weißen Arme ſanft gehoben und hielt die Hände gefaltet; das Haupt war zu der himm⸗ liſchen Helferin emporgewandt. In zwei zierlich geflochtenen

Zöpfen hing das reiche braune Haar ihr über den Nacken