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nig unter den Horizont taucht, ſodaß Abend⸗ und Mor⸗ genröthe ineinanderſchmelzen und mit ihrem Roſenſchimmer die ganze laue Juniusnacht erhellen. Der Strom zog in gol⸗ den fluthender Bahn zwiſchen ſeinen Hügelufern dahin; zwei Fiſchernachen wiegten ſich leicht auf der Welle; ein Geier mit breiten ausgeſpannten Flügeln ſchwebte majeſtätiſch, hoch über den Waldgipfeln des jenſeitigen Ufers; die Thürme der Feſtung Smolensk ragten wie ſchwarze Baſaltfelſen aus dem goldenen See des Abendhimmels empor. Eine feierliche Stille waltete über der ganzen Landſchaft. Feodorowna blickte wehmüthig über die Fluren hin, wo ſie die Tage der Kindheit verlebt hatte.„Ach,“ ſeufzte ſie ſtill,„iſt denn mein Herz eine fremde Pflanze auf dieſem Boden? Hat er es nicht genährt? Oder haben mich ſanftere Sitten und ein ⸗ milderer Himmel ſo entartet, daß ich nicht mehr tauge in den rauhen Norden? Die Wiege meiner Tage ſieht mie nicht lächelnd an wie ſonſt, ſondern düſter, als ſolle ſie meinem Grabe werden. Iſt denn nichts wahr und ewig in der Natur? Trügen ſelbſt die heiligſten Bande? Gütiger Gott, vergib mir, aber wie der Boden der Heimat mir fremd geworden, ſo ſcheint mir's auch, als ob der heilige Quell meines Lebens ſich trübe, als ob das Herz des Kin⸗ des den Ältern nicht mehr warm und frei entgegenzuſchlagen vermöge! Kalt wie eine Schlange umſchlingt diss Gefühl meine Bruſt! Wäre es denn wahr, daß es nur noch eine Pflicht der Liebe für mich gäbe, aber daß ihre lebendigen Wurzeln ſelbſt erſtorben ſind? Nein, nein! Es kann, es darf nicht ſein, es iſt nur der ewige Feind, der mich täu⸗ ſchen will. Die Natur iſt heilig, wahr, redlichz nur unſer Herz entartet. Himmliſche Mutter Gottes, läuters das meine, flöße ihm die alte heilige Liebe wieder ein, in der. das ſchuldloſe Kind ſo glücklich war.“ 7
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