Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 338—

gegangen. Sie empfingen daher die Zeichen der Liebe und die Geſchenke, welche Feodorowna ihnen mitgebracht hatte, nur mit einer unterwürfigen Dankbarkeit, ohne den Muth zur Außerung der Freude zu haben. Arinia dagegen zeigte eine tiefe, zitternde Rührung; ſie war dankbarer für die Liebe, als für die Gaben derſelben; doch ſagten die Thränen, welche ihre Wange benetzten noch etwas Anderes. Es ſchien ein geheimer Kummer auf ihrer Seele zu laſten. Feodorowna, welche theilnehmend nach Allem fragte, was die Lebensum⸗ ſtände ihrer Jugendgeſpielinnen anging, ſuchte auch Axiniens Kummer zu erforſchen. Doch das ſchüchterne Mädchen blickte ſcheu zur Erde; ihre Thränen floſſen reichlicher, aber ſie ſchwieg und ſeufzte nur aus tiefer Bruſt.

In dieſem Augenblicke trat gerade der Diener ein, der ihr die Aufforderung des Vaters, beim Abendeſſen zu er⸗ ſcheinen, überbrachte.

„Man erwartet mich wol ſchon?“ fragte Feodorowna⸗

„Se. Excellenz,“ erwiderte der Diener ſich tief verneigend, „haben wenigſtens befohlen, daß ſchleunigſt aufgetragen werde.“

„Meldet meinem Vater, ich würde ſogleich kommen,“ erwiderte Feodorowna und winkte dem Diener, ſich zu ent⸗ fernen.„Ich muß Euch jetzt entlaſſen,“ ſprach ſie zu den Mädchen,„allein morgen in der Frühe beſucht mich wieder. Und ſo hoffe ich Euch die Zeit hindurch, die ich hier ver⸗ weilen kann, wenigſtens jeden Tag zu ſehen.“

Die Mädchen gingen; nur Arinia zögerte, als habe ſie noch etwas auf dem Herzen.„Wünſcheſt Du noch etwas, Liebe?“ ſagte Feodorowna, als ſie das Zögern des Mädchens bemerkte, und nahm ſie freundlich bei der Hand.

Arxinia, in Thränen, vermochte nicht zu antworten; ſie

zitterte.„Willſt Du mir's allein anvertrauen?“—„Ja,

ja!“ rief die Weinende heftig.—„Nun ſo komm' morgen

3—