1 4
— 327—
Pflichten zu erfüllen, die der Herr auf meine Schultern gelegt hat.“—
Indem trat Feodorowna heran:„Heil und Segen auf Euer Haupt, mein Vater! Welch eine Freude für mich, daß ich Euch in ſo heiterer Kraft wiederſehe.“
„Die Mutter Gottes ſei mit Dir und nehme Dich in ihren heiligen Schutz,“ ſprach der Geiſtliche und ergriff mit der Linken Feodorownas Hand, während er die Nechte ſeg⸗ nend auf ihr ſanft gebeugtes Haupt legte.„Du biſt wohl behütet geweſen von den Engeln des Herrn, meine Tochter, und ſchöner erblüht heimgekehrt, als Du, noch eine zarte Knospe, von uns ſchiedeſt. Die Heiligen haben mein Ge⸗ bet geſegnet, denn täglich flehte ich ſie an, Dir ihren Bei⸗ ſtand zu leihen.“ So ſprach der Greis und blickte die ſchöne Jungfrau, deren Jugend er geleitet, mit milden, freund⸗ lichen Augen an.
„O, gewiß hat es uns ſchützend begleitet,“ erwiderte Feodorowna mit dem Ausdruck frommer Rührung;„denn Gott war uns ſtets nahe in Drangſal und Gefahr.“ Sie ſchien mehr ſagen zu wollen, doch ein ernſter Blick des Va⸗ ters, dem die nahe Vertraulichkeit der Tochter zu dem Geiſt⸗ lichen überhaupt unangenehm war, bewirkte, daß ſie abbrach und ſchwieg. Gleich darauf trat der Fremde, ein großer, ſchöngewachſener Mann in ſeinen beſten Jahren, zu ihr, und bot ihr den Arm, um ſie den etwas ſteiler werdenden Weg vollends hinaufzuführen. Der Graf ging inmitten ſeiner Vaſallen und ſprach mit den Einzelnen, indem er ſich nach den häuslichen Umſtänden derſelben ſo wie nach den Ereigniſſen erkundigte, welche ſich wäͤhrend ſeiner Abweſenheit zugetragen haben mochten.„Du haſt Dein Weib verloren, Iſaak,“ redete er einen ſchon bejahrten Landmann an.


