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Winters ſchmilzt, wenn wir ihn mehr ahnen als wirklich empfinden. Die Sonne, welche uns die erſten tropfenden Bäume im Garten bringt, die erſten Halme, die aus dem Schnee emporſprießen, galten mir als Knabe ſchon mehr als eine ganze Maienflur.“
Von Bianca's Lippen ertönte, indem ſie das ſchöne Haupt freundlich zuwinkend neigte, ein leiſer Ton, wie das Summen der Bienen.„Es iſt wahr,“ ſprach ſie ſinnend,„es ſind die erſten Tage der Geneſung nach langer düſtrer Krankheit. Die Friſche der Geſundheit iſt noch nicht zurückgekehrt, aber man empfindet die Wohlthat der geringen Gabe ſtärker!“
„Gewiß,“ erwiderte Ludwig,„ſie erfreuen uns, wie den Dürftigen das kleinſte Geſchenk, mehr, als in der Fülle des Glücks ein großer Gewinn.“
. Paul unterbrach das Geſpräch, indem er den Vorſchlag machte, daß die Herrſchaft zu Fuß voran bis zu dem nächſten, nur eine halbe Stunde entfernten Poſthauſe gehen und dort warten möchte, bis der Wagen nachkomme. Ludwig fand dies ſehr zweckmäßig, weil die Frauen der Erfriſchung be⸗ durften; er reichte Bianca den Arm und machte ſich mit ihr und Margarethen auf den Weg. Paul und der Poſtillon wollten, während die Landleute den Schnee vollends weggrüben, den Wagen, ſo gut, als es einſtweilen möglich war, herſtellen.
Das Poſthaus war nach einer kleinen halben Stunde erreicht. Es lag ſchon ſo viel tiefer, daß man dort keinen Schnee mehr fand. Auch war der Waldwuchs ſchon hoch, wiewol bis jetzt nichts daſelbſt grünte als Moos und Tannen. Das wohlgebaute, reinlich geordnete Haus, eben hinreichend, um die Wohnung einer Familie zu bilden und ein oder zwei Zimmer für Reiſende zu enthalten, gewährte ein eignes Bild der Befriedigung und Nuhe. Mitten in der Wildniß hin⸗
geſtellt, einſam, hoch über andere Menſchenwohnungen erha⸗


