Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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ben, in der Nachbarſchaft einer oft furchtbaren Natur, war es doch ſo ſichtlich ein heimiſcher, trauter Zufluchtsort für das harmloſe Glück geringer Bedürfniſſe, daß man die Bewohner deſſelben beneiden konnte. Welche Sorgen ſollten ſie hier treffen? Welche quälende Begierde ihr Glück untergraben? Ein geordneter Hausſtand, ein beſtimmtes Geſchäft, kein Ne⸗ benbuhler, kein Feind, kein friedenſtörender Nachbar, genug Verkehr mit Menſchen, um nicht abzuſterben ,nicht ſo viel, um von dem Wechſel der Schickſale in der bewegten Welt mit getroffen zu werden— gewiß, dies ſind die natürlichen, ge⸗ ſunden Verhältniſſe eines wahrhaften Glücks, und nur ein ſelbſtfeindlicher Sinn vermag ſie zu ſtören. Aber leider iſt der Trieb, der ſich blind und wahnſinnig gegen das eigne Wohl richtet, nur zu häufig und zu mächtig in der Bruſt des Menſchen. Daher wird Keiner ſeinem Unſterne entfliehen, der ihn auf dieſe Weiſe ſelbſt mit ſich trägt; aber auch Kei⸗ nen wird ein feindſeliges Geſchick finden, der in ruhiger, zufriedener Bruſt ſich ſelbſt das Glück gründet.

„Mamma, Mamma,“ rief, als Ludwig und Bianca ſich näherten, ein kleines Mädchen, das vor der Thür des Hauſes ſaß, und klatſchte vergnügt in die Händchen.„Mam- ma mia! Un signore, una signora!“ Die Mutter, eine ſchwarzlockige Italienerin, eilte herbei, nahm das Kind auf den Arm und ging den Fremden entgegen.

„Die Herrſchaften haben ein Unglück gehabt?“ fragte ſie theilnehmend mit dem reizenden Wohllaut italieniſcher Sprache und Stimme.„Es iſt doch Niemand zu Schaden gekommen?“„

„Zum Glück nein,“ erwiderte Ludwig italieniſch.„Kön⸗ nen wir ein Frühſtück haben?“

„Gewiß, Signore. Iſt es gefällig einzutreten?“ Dabei trat

ſie auf die Seite und wollte den Fremden den Vortritt laſſen..