Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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„Die Schneelage kann nicht breit ſein,“ rief der Po⸗ ſtilon munter aus.„In kurzer Zeit ſind wir vielleicht ſchon losgearbeitet.“

Es dauerte nicht zehn Minuten, ſo erſchienen bereits einige Männer auf der Höhe des Schnees vor dem Ausgang der Gallerie, ſo daß man mit ihnen ſprechen konnte. Sie ſchau⸗ felten bald eine Offnung aus, durch die man zu Fuß auf die Straße gelangen konnte, wenngleich der Wagen noch nicht hätte hindurchkommen können. So war denn die Pforte des düſtern Gefängniſſes geöffnet. Ludwig führte die Ge⸗ liebte über den Schneehügel hinaus ins Freie. Mit ſtillem Entzücken begrüßten Beide das holde Licht des Tages wieder. Aus der finſtern Gruft traten ſie in eine romantiſche Ge⸗ gend, die man hätte reizend nennen können, wenn der Win⸗ ter nicht noch hier oben Herr geweſen wäre. Vor ihnen öff⸗ nete ſich zwar ein tiefes, ſteiles Thal; aber die Umgegend war mit ſchlanken Fichten grün bewachſen, und unten ganz

in der Ferne und Tiefe ſah man das freundliche Städtchen

Brieg, von dem ſilbernen Bande der Rhone umſchlungen, und dort grünte die Flur ſchon im reizenden Schmuck des Frühlings. Die Luft war nicht warm, aber doch milde, und die Sonne glänzte hell an einigen Schneegipfeln. Frei⸗ lich das laue duftige Wehen der italieniſchen Frühlingslüfte, von denen man geſtern geſchieden war, traf man nicht mehr an, ſondern nur ein thauender Februartag herrſchte auf die⸗ ſer Höhe. Daher ſprach Bianca lächelnd:

„Wir ſind ſeit geſtern um einige Monate jünger gewor⸗ den; unten athmeten wir Mailuft, hier begrüßen uns höch⸗ ſtens die erſten Tage des März.“

„Sie waren mir von jeher die liebſten,“ antwortete Ludwig lebhaft;„ſtets hat mich der Frühling am tiefſten bewegt, wenn ſein Hauch nur eben die erſten Eisſpitzen des