erſchöpft. Ludwig nahm ſich nicht die Zeit, ihm zu ant⸗ worten, ſondern eilte, die Laterne in der Hand, zu Bianca zurück. Sie ſchien, ſanft in den Wagen zurückgelehnt, nur leicht zu ſchlummern, ſo ſtill und lieblich waren ihre Züge. Als ihr der Schimmer des Lichts, das Ludwig auf den Rück⸗ ſitz des Wagens geſtellt hatte, ins Auge fiel, öffnete ſie es, ſchloß es aber, geblendet, eben ſo raſch wieder und athmete tief auf. Ludwig ergriff ihre Hand und nannte leiſe aber mit Innigkeit ihren Namen; ſie ſchlug das Auge groß auf. Dann fragte ſie fremd, noch halb in ihre Träume verſun⸗ ken:„Wer ruft mich denn?“
„Dein Bruder, Bianca,“ ſprach Ludwig tief gerührt.
„Bruder! Bruder!“ rief ſie noch bewußtlos angſtlich aus, neigte ſich bebend vorwärts und lehnte ſich ſanft gegen Lud⸗ wigs Bruſt, der ſie in ſeliger überwältigung an ſein Herz und einen leiſen Kuß auf ihre Stirn drückte. Da fuhr ſie, plötzlich erwachend, auf, ſah ihn mit ſcheu ſtaunenden Blicken an, und indem ſie ſich jungfräulich beſchämt ſeinen Armen entwand, ſprach ſie:„Mein Gott! Die Betäubung— Ich weiß nicht, was ich gethan habe!“ Indem fiel ihr Blick auf die Pflegerin, die noch beſinnungslos mit zurückgeſunkenem Haupt in der Ecke des Wagens ſaß. Ein Ausdruck des Schreckens überflog bei dieſem Anblick ihre Züge; ſie öffnete die Lippen zu einem Ausruf, aber er erſtarb in einem ge⸗ preßten Seufzer. Da bewegte ſich die Ohnmächtige und ſprach einige fremdartige Worte aus.„Sie lebt! Sie lebt!“ rief Bianca freudig und umſchlang den Nacken der Zurück⸗ geſunkenen, indem ſie ſie liebend emporrichtete„O meine Margarethe, erkennſt Du mich?“
Ihre Umarmung war ſo innig, daß Ludwig ahnen mußte, es finde hier ein näheres Verhältniß als das zwiſchen Herrin und Dienerin ſtatt. Doch bevor er ſich einer beſtimm⸗


