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und ließ nun dem ſüßen Strom, der ihm die beklemmte Bruſt erleichterte, freien Lauf.
„Der Gipfel links, das iſt der Sempione,“ erklärte der Poſtillon, indem er ſich zu Bianca's altem Diener wandte. „Werden wir bald oben ſein?“ fragte dieſer. 3 „Im Dorfe ſind wir bald, dann haben wir noch zwei Stunden bis zum höchſten Gipfel, wo das Hospitium ge⸗ baut wird. Allein der Bau liegt ſchon ſeit einem Jahre⸗ ſtill, denn es fehlt am Beſten, am Gelde. Aber vorwärts!“ damit ſchwang er die Peitſche, und in kurzer Zeit hatte man das Dorf Sempione, das dicht unter dem Schneegipfel des
Berges zu liegen ſcheint, erreicht. 8
Es war hier ſchon empfindlich kalt. Nur wenige Au⸗ genblicke verweilten die Reiſenden, um ſich durch eine flüchtig genoſſene Mahlzeit und ein Glas warmen Weines zu ſtär⸗ ken, denn Bianca trieb fortwährend zur Eile an. Mit dem Frühling war es nun bald vorüber, denn nach kurzer Zeit befand man ſich mitten im Schnee, der von beiden Seiten hoch aufgeſchüttet war. Da die Straße nicht ga ſteil anſtieg, ſo ging die Reiſe raſch von Statten. Bald er⸗ reichte man den höchſten Gipfel, und nun rollte der Wagen mit Blitzesſchnelle abwärts. Nach einigen Minuten hielt der Poſtillon an.“
„Was gibt's?“ fragte Ludwig.
„Hm, Signore,“ lautete die Antwort,„die Jahreszeit iſt nicht die beſte. Man muß vorſichtig ſen. Wir haben warme Tage gehabt, und da ſtürzen die Lawinen herunter 4 wie der Sperber auf die Lerche. Ich muß einen Schuß 4 thun.“ Er holte eine alte, roſtige Muskete hervor und ſchoß im die Luft. Der Schall dröhnte weit durch die öden Berge und donnerte ein tauſendfaches Echo nach; doch alsdann blieb Alles ſtill.


