Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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24— 41.

eben ſo raſch wieder verſchwanden. Man hatte ſich unter einer Offnung in der Schlucht befunden, die am Tage eini⸗ ges dämmernde Licht in dieſe düſtere Felſengruft wirft. Nach zehn Minuten erreichte man das Freie wieder.

Bianca athmete aus tiefer Bruſt.„Gott ſei Dank!“ ſprach ſie,„mir wurde doch ein wenig bange in der Schlucht. Aber wozu dient dieſe finſtre Wölbung?“

„Hauptſächlich zum Schutz gegen die Lawinen, denn man hatte ſie meiſt an den Stellen angelegt, wo das Hinab⸗ ſtürzen derſelben am häufigſten ſtattfindet; mehrfältig aber hat man auch durch dieſes kühne Durchbrechen des Felſens einen bedeutenden Umweg erſpart. Die ganze Straße iſt ein Rieſenwerk wie alle, die der koloſſale Mann unternimmt,

der mit ſo ſcharfem Blick die Wichtigkeit dieſes Baues zur Verknüpfung ſeiner Völker erkannte. Was ſeit einem Jahr⸗ tauſend dringender Wunſch geweſen war, und wovor zwan⸗ zig Geſchlechter zurückbebten, weil die Aufgabe menſchliche Kräfte zu überſteigen ſchien, das richtete dieſer kühne, ſchö⸗ pferiſche Geiſt durch einen Wink ins Werk, nur weil ſein mächtiger Wille es gebot.“

„Ich ſtaune ihn an! Aber ich glaube doch, daß dieſer düſtere Genius furchtbarer im Verheeren als mächtig im Er⸗ ſchaffen iſt,“ entgegnete Bianca mit weiblichem Zurückbeben vor den kriegeriſchen Ereigniſſen, die ſie bei ihren Worten im Sinne zu haben ſchien.

„Er zerſtört nur, um zu ſchaffen,“ erwiderte Ludwig mit Feuer;„auf der Lava, die der Vulkan auswirft, blüht die reichſte Flur empor!“ 1

„Und gedenken Sie nicht Derer, die unter dem Aſchen⸗ ſtaub verſchüttet liegen?“ fragte Bianca.

Ludwig ſeufzte. Seine Seele war hier im Tiefſten ge⸗ troffen. Wohl gedachte er der Verſchütteten, gedachte er ſei⸗