Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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feſt vertraue, daß keine Unruhe, keine Sorge mehr ſie

quälte.

Die Straße wurde immer wilder und ſchauerlicher, die Veriola ſchoß toſend im Abgrunde dahin; himmelhohe Fels⸗

mauern ſtarrten ſchroff empor; nur wenige Sterne blinkten durch die ſchmale Spalte der tief geklüfteten Schlucht. Plötzlich bog ſich der Weg ſcharf um, und Ludwigs erſtaun⸗ tes Auge ſah ein weißes rieſiges Geſpenſt vor ſich, das furcht⸗ bar aufgerichtet an der ſchwarzen Felswand ſtand. Zugleich ſchlug ein dumpfer Donner an ſein Ohr.

Bianca erwachte von dem Getöſe und rief erſchreckt:

„Gott! was iſt das? Wo ſind wir?“ „Es iſt der Waſſerfall am Eingange der großen Galle⸗ rie,“ ſprach der alte Diener ſich umwendend. Indem hielt

der Wagen und ein heller Lichtſtrahl aus erleuchteten Fenſtern

ſiel hinein. Der Poſtillon klatſchte mit der Peitſche.

„Was bedeutet das,“ fragte Bianca ängſtlich,„ſollten wir hier angehalten werden?“

„Hier iſt, ſo viel ich weiß, die Grenze der Lombardei; jenſeit der kleinen Brücke vor uns befinden wir uns ſchon in der Schweiz,“ entgegnete Ludwig.

„Gott ſei gedankt!“ rief Bianca und ſchöpfte tief

Athem.„Nur noch bis dorthin verlaß mich nicht, gütiger

Himmel!“ ſetzte ſie leiſe hinzu und erhob das ſchöne Auge gegen die Sternennacht über ihr.

Indem traten zwei in graue Mäntel gehüllte Geſtalten an den Wagen, deren einer eine Laterne in der Hand trug; die hohen Helme mit Roßſchweifen ließen franzöſiſche Dra⸗ goner erkennen.

„Votre passeport, Monsieur,“ lautete die höfliche aber 62

kurze und entſcheidende Frage.

„Den Paß, lieber Bruder,“ ſprach Bianca und drückten„.

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