Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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Straße wurde ſteiler; ſchon ſtiegen die grotesken, zackigen Felſen von beiden Seiten auf, während in der Tiefe die Veriola ſchäumend und donnernd dahinſchoß. Das großartige Schauſpiel würde einen mächtigeren Eindruck auf die Rei⸗ ſenden gemacht haben, wenn die Stimmung ihrer Gemüther eine ruhigere, dem Genuß empfänglichere geweſen wäre. Bianca ſchien überdies durch die Reiſe und durch die Angſt, die ſie erduldet hatte, erſchöpft. Sie lehnte ſich in die Ecke des Wagens zurück, und ſank in leiſen Schlummer. Ludwigs aufgeſtürmte Seele ließ keinen Schlaf in ſein Auge dringen, wiewol auch er durch die lange Wanderung zu Fuß körperlich ermattet war. Die ſchauerlichen Wunder der Straße, die er zurücklegte, ſteigerten zwar das unruhige Wo⸗ gen in ſeiner Bruſt, doch ſpiegelten ſich Felſen, Abgrund und Waſſerſturz in ſeinem Auge nur wie in einem bewegten See ab: unbeſtimmt, verwiſcht, ſchwankend. Oft nahm er auch faſt ſo wenig von dieſen Bildern in ſein Bewußtſein auf wie ein abſpiegelndes Gewäſſer. Meiſt ſtaunte er ſie träu⸗ meriſch an, und erſt, wenn ſie längſt vorüber waren, tauchten ſie ihm als dunkle, unbeſtimmte Erinnerungen auf, worüber er wieder die Eindrücke der nächſten Gegenwart verlor. Seine Seele ſah ja nur Bianca's Bild; er ſtand entzückt vor der hehren, ſanften Geſtalt einer Madonna; wie mochte er ſeine Augen feſſelnd auf die Landſchaft im Hintergrunde des Hei⸗

ligenbildes heften, ſo wunderreich ſie ſich auch aushreitete!

Es war dunkel, als ſie über die erſte ſchaurige, auf thurmhohe Pfeiler geſtützte Brücke rollten, unter welcher der 8

Strom im tiefen Abgrund wie eine weiße Schlange dahin-

ziſchte. Bald darnach erreichten ſie eines der Poſthäuſer, wo die Pferde raſch gewechſelt wurden. Bianca war in ſo feſten Schlummer geſunken, daß ſie auch dort nicht erwachte; es war, als ob ihre Seele dem neuen rettenden Freunde ſo