Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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muß Ihnen noch Einiges über meine Lage entdecken. Sie ſehen mich hier von meiner Jugendpflegerin und einem alten getreuen Diener unſers Hauſes begleitet, den Einzigen, die mein Geheimniß zum Theil kennen. Wir würden ohne alle Gefahr reiſen, wenn nur dieſe die Mitwiſſer wären, doch zu unſrem Unglück iſt es leider ſchon verrathen. Wiſſen Sie denn, daß bis Mailand ein Anderer Ihre Stelle einnahm!“ Hier ſtockte die Erzählerin.„Ein empörender Mißbrauch, den er von meiner Lage machen wollte,“ fuhr ſie hocherröthend fort,„zwang mich, den günſtigen Augenblick zu nutzen, der ſich mir zur Flucht aufthat. Ich darf nicht zweifeln, daß er jetzt aus Rache zum Verräther geworden iſt. Darum meine Eile, meine Todesangſt unten im Städtchen; denn jeden Augenblick kann die Botſchaft eintreffen, die unſere Verhaf⸗ tung befiehlt. Zwar habe ich eine andere Straße eingeſchlagen, als ich Anfangs wollte, was die Unbeſtimmtheit des Paſſes, der nur von Rom über Florenz und Mailand nach Deutſchland lautet, möglich machte; denn eigentlich hätte ich den Weg nach Verona nehmen ſollen. Allein wie ſchnell iſt das er⸗ mittelt! Wie leicht kann der Verräͤther ſelbſt dieſee Muth⸗ maßung hegen und uns daher auf zweien Straßen verfolgen laſſen! Denn welche dritte wäre mir übrig geblieben?— Sie wiſſen nun, was Sie wagen! Und ich muß Ihnen auch Das ſagen, man würde das Vergehen, deſſen Sie ſich ſchuldig machen, ſehr ſtreng beſtrafen.“

„Das größeſte aller Vergehen wäre das, hier feig zu⸗ rückzutreten,“ ſprach Ludwig feſt.„Ich weiß nicht,“ ſetzte er bewegter hinzu,„ob es mich nicht noch glücklicher machen würde, für Sie zu leiden, als für Sie zu wagen.“

Bianca ſchwieg.

Die Nacht ſenkte ſich tiefer herab und umhüllte die Gegenſtände mit einem grauen dämmernden Schleier. Die