wenn Sie wollen. Dieſer Name muß Ihnen ſchon ge⸗ nügen.“.
„Schweſter! Bianca!“ ſprach Ludwig nach, und ein be⸗ bender Schauer des Entzückens durchdrang ſein Herz.„Schwe⸗ ſter! Schweſter!“— die Stimme verſagte ihm. Der heilige Name legte ihm das reizende Weſen ſo nahe an das Herz, raubte es ihm aber zugleich ſo unwiederbringlich, daß er bei dem Klange deſſelben das vollſte Maß der Seligkeit und den tiefſten, bitterſten Kelch der Schmerzen zugleich leerte. Und ſo war ſein ganzes Finden der Geliebten. Die vertraulichſte Nähe war ihm geſtattet, doch zugleich hatte das Schickſal, dies ahnte er ſchon jetzt, eine furchtbare Kluft zwiſchen Bei⸗ den aufgeriſſen, die ſie um ſo weiter trennte, je inniger vereint ſie ſchienen..
Er blickte ſie an, es dauchte ihm, ſie ſei eine holde Traumgeſtalt, die ihm entſchweben werde, wenn er erwache. Sein Herz ſchlug heftig; doch er bezwang ſich, und ſtumm verſchloß er den ahnungsvollen Schmerz in ſeiner Bruſt.
Doch Bianca brach das Schweigen.„Sie dürfen mich nicht nur Schweſter nennen,“ ſprach ſie ein wenig er⸗ röthend,„ſondern Sie müſſen es auch, wenn Sie mich nicht verrathen wollen. Sie werden ſich gewiß bald daran gewöhnen, ſowie an das vertraute Du, das ich öffentlich von Ihnen zu fordern gezwungen bin, wenn Sie deutſch ſprechen.“
Die Prüfung für Ludwig wurde immer ſchwerer.— „Wenn ich mich nur nicht vergeſſe,“ ſprach er verlegen.
„Sie werden es gewiß nicht,“ entgegnete Bianca;„der Gedanke, daß ein leichtes Verſehen für Sie und mich höchſt gefährlich werden könnte, wird Sie gewiß immer warnen; und überdies ſollen Sie es ſtets in meinen Zügen leſen, daß ich Sie an Ihre brüderlichen Pflichten erinnere. Doch ich


