Teil eines Werkes 
1. Band, 1812 : ein historischer Roman : 1. Theil (1843)
Entstehung
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daß er ihren Wünſchen nicht willfahren könne. Ludwig nä⸗ herte ſich jetzt den Umſtehenden; da jedoch die junge Dame, die dem Bilde ſeiner Erinnerung immer ähnlicher erſchien, ſich der entgegengeſetzten Seite zugekehrt hatte, er aber um Alles einen Augenblick erhaſchen wollte, wo er ihr ins Angeſicht ſehen könnte, ſo umging er den Kreis der Verſammelten und theilte ihn, von derjenigen Seite nach dem Wagen zu tretend, wohin ſie gewendet ſtand. Himmel, ſie war es ſelbſt! Nur bleich und ängſtlich ſchienen ihre Züge, und ſo gar eine Thräne war in dem ſchönen blauen Auge ſichtbar. Von einem unbezwinglichen Gefühl getrieben, ſchritt Ludwig auf ſie zu; ſo auffallend es ſein mochte, er wollte die holde Geſtalt, die ihn eingeführt hatte in Italiens ſchöne Wunder, beim Ausgange wieder begrüßen, wollte ſie an den raſch vor⸗ übergeflogenen Augenblick jenes erſten Begegnens erinnern. Sein Muth dazu wuchs, da er ſie unbegleitet ſah, denn außer einem alten Diener, der vorn auf dem Bocke ſaß, und jener ältlichen Frau im Wagen, die ebenfalls allem Anſchein nach nur in einem dienenden Verhältniß zur Reiſenden ſtand, war Niemand zu ſehen. Haſtig trat er daher aus dem etwas zurückgezogenen Kreiſe der Menge hervor. Ihr Blick fiel plötzlich auf ihn; da überflog ein ſo ſchneller freudiger Schreck ihre Züge, daß Ludwig keinen Augenblick zweifeln konnte, ſie erkenne ihn wieder. Eben wollte er grüßen, die Lippe zur Anrede öffnen, als ſie mit auffallender Haſt die franzöſiſchen Worte ausrief:Voilà mon frèrel⸗ und ihm entgegeneilte. Ludwig, höchſt beſtürzt, ahnte ein Mißver⸗ ſtändniß; doch bevor er ſich faßte, ihr nur ein Wort ent⸗ gegnen konnte, rief ſie ihm italieniſch, ſodaß alle Umſte⸗ henden es hörten, zu:Gott ſei Dank, Bruder, daß Du kommſt, und ſetzte leiſe, aber haſtig auf Deutſch hinzu:Ich

bin verloren, wenn Sie mich verleugnen. Eben ſo ſchnell