Hier aber prangten die Ulmen, die Kaſtanien in der Fülle des Laubes, ein gewürzig duftender Teppich, mit Tauſenden von wilden Nelken und Aurikeln beſäet, dehnte ſich über die Wieſen hin; das Getreide war bereits hoch aufgeſchoſſen, ja, ſelbſt die Rebe hatte ſich ſchon mit dem vollen Schmucke ihres breiten Laubes bekleidet und zierte die Giebelſeiten der reinlichen Häuſer.— Ludwig konnte zur Rechten weithin die Landſtraße überſehen, zur Linken lagen Markt und Gaſſen von Duomo d'Oſſola faſt zu ſeinen Füßen. Er ſah die fröhlichen, zwangloſen italieniſchen Mädchen mit ihren brei⸗ ten Strohhüten auf dem Markte luſtwandeln, deutlich konnte er den Kram einer Fruchthändlerin, die ihre Körbe mit Orangen und Feigen vor ſich aufgeſtellt hatte, erkennen, Knaben ſchlugen den Ballon gewandt in die Lüfte, franzö⸗ ſiſche Dragoner, von denen ein Piket in der Stadt ſtand, ſaßen auf einer Bank vor dem Wachthauſe und ſchwatzten. Er hörte das fernbrauſende Getöſe der durcheinander ſchwir⸗ renden Stimmen jubelnder Knaben, lachender Mädchen, aus⸗ rufender Verkäufer; ja, ſogar einzelne Töne von den Geſängen eines Zitterſpielers, der einen großen Kreis von Hörern um ſich verſammelt hatte, drangen durch die Stille des Abends zu ihm herüber. Dieſes kleine, bunte, verworrene Treiben menſchlicher Luſt und Betriebſamkeit ſtach wunderbar gegen den majeſtätiſchen Ernſt, die feierliche Stille des Hochgebir⸗ ges ab, das ſich ſteil, mächtig, den Fuß und Gürtel in bläuliche Nebel gehüllt dicht hinter dem Städtchen aufthürmte, und die Schneehäupter in den Wolken verbarg.
Ludwig ſtand in Gedanken verloren. Plötzlich weckte ihn der Schall eines Poſthorns, und munterer Peitſchen⸗ knall ſchlug an ſein Ohr. Ein mit vier Pferden beſpannter offener Reiſewagen kam die Landſtraße von Baveno daher und rollte dem Städtchen zu. Es ſaßen zwei Frauen darin.
——yͤͤ


