Nirgends hat wohl das Volk weniger das Gefühl ſei⸗ ner Würde, als die Italiener Roms. Keine Verrichtung iſt ſo niedrig und entwürdigend, daß es nicht Perſonen gäbe, die ſich darum beworben hätten. Daher durchlaufen gemeine ſchmach⸗ volle Gewerbe mit ekelhafter Scheußlichkeit die Straßen Roms; daher die ehrloſen Anträge, welche Fremden gemacht werden.
Ein andres Zeichen der Erniedrigung gibt ſich in dem knechtiſchen Sinne der niederen Klaſſen kund, die ſtets in kriechender Höflichkeit gebeugt zu jedem entehrenden Dienſte bereit ſind, um Geld zu gewinnen. Ihre Schmach flößt dem Fremden tiefen Abſcheu ein. Freilich auch erhebt zuweilen der Mann, der ſich eben erniedrigte, plötzlich ſtolz das Haupt und rächt die eigene Schmach dadurch, daß er giftige Spott⸗ reden gegen den führt, welchen er eben bediente.
Was die Italiener Roms am meiſten ſcheuen, iſt die Mühe der Arbeit. Den ſtarken, arbeitſamen, rührigen Schlag, den man unter den Transteverinern antrifft, abgerechnet, kann nichts die Uebrigen bewegen, eine leichte Arbeit ohne Mühe und Anſtrengung zu übernehmen.
Dies iſt die Urſache der vielen kleinen Werkſtätten, worin Heiligenbilder angefertigt oder verkauft werden.
Die Steindruckerei dagegen beſchäftigt hier eine Menge
von Zeichnern, welche nicht ohne Verdienſt ſind und die ein. 3
Kunſtgefühl, wie man es ſelten anderswo antrifft, verrathen.
Das Ausmalen von Zeichnungen in bunten Farben iſt ein Haupterwerbszweig Roms. Man ſchätzt den Ertrag dieſes Betriebes auf mehr als eine Million Franken jährlich. Der


